Zwei Verwaltungsräte von Hochdorf verzichten auf Wiederwahl


Roman Spirig
Regional / 13.03.19 18:52

Zwei der sieben Verwaltungsräte des Milchverarbeiters Hochdorf, der jüngst in unruhiges Fahrwasser geraten ist, verzichten auf eine Wiederwahl. Als Ersatz will der Verwaltungsrat zumindest einen der Kandidaten wählen, der auch von Aktionären vorgeschlagen wurde.

Zwei Verwaltungsräte von Hochdorf verzichten auf Wiederwahl  (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Zwei Verwaltungsräte von Hochdorf verzichten auf Wiederwahl (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Bei der Generalversammlung vom 12. April verzichten der bisherige Vize-Präsident des Verwaltungsrats, Anton von Weissenfluh, der seit 2005 im Gremium sitzt, und Holger Till, Mitglied seit 2014, auf eine Wiederwahl, wie Hochdorf am Mittwoch mitteilte. Die grösste Aktionärin, ZMP Invest, hatte jüngst die Wiederwahl der beiden abgelehnt. Der Verzicht stehe in keinem direkten Zusammenhang zur Forderung, sagte ein Sprecher von Hochdorf auf Anfrage.

Es brauche beim Unternehmen neue Impulse, hatte die Tochter der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) argumentiert, die 14,5 Prozent an Hochdorf hält. Auch der aktuelle Präsident Daniel Suter sowie Verwaltungsratsmitglied Niklaus Sauter müssten gehen.

Diese beiden wollen allerdings zusammen mit Walter Locher, Michiel de Ruiter und Ulrike Sailer in ihren Positionen bleiben. Als Ersatz für die scheidenden Mitglieder empfiehlt der Verwaltungsrat Hans-Peter Hess und Jörg Riboni zur Wahl.

Den früheren Emmi-Finanzchef Riboni hatte ZMP Invest neben Markus Bühlmann und Berhard Merki zur Wahl vorgeschlagen, letzter soll Verwaltungsratspräsident werden. Man habe Riboni wegen seiner Kompetenzen ausgewählt und nicht, wegen der Forderung der Aktionäre, sagte der Sprecher.

Am Mittwoch war zudem bekannt geworden, dass mit der Familie Weiss eine weitere Aktionärin Veränderungen im Verwaltungsrat anstrebte und den Chef der im Ausbaugewerbe und im Eventgeschäft tätigen Lenzlinger Söhne AG, Markus Kalberer, als neuen Verwaltungsrat vorgeschlagen hatte. Man habe mit sämtlichen den Kandidaten, die von den Aktionären vorgeschlagenen wurden, Gespräche geführt, sagte der Sprecher.

Der Verwaltungsrat lehnt demnach die Wahl von Bühlmann, Merki und Kalberer ab. Auch strebe er keine Aufstockung des Verwaltungsrates an.

Hochdorf navigiert aktuell in unruhigen Gewässern: Im ersten Halbjahr rutschte der Milchverarbeiter in die Verlustzone und sprach eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr aus. Im Dezember musste das Unternehmen die Prognosen ein zweites Mal herunterschrauben. In der Folge hat die Aktie stark an Wert eingebüsst.

Das sorgt unter Aktionären für Unmut. Am Montagabend trat zudem Unternehmenschef Thomas Eisenring per sofort zurück. Eisenring, der das Unternehmen seit 2013 als CEO geführt hatte, wolle sich aus familiären Gründen beruflich nochmals neu orientieren, hiess es. In einer Übergangsphase soll Geschäftsleitungsmitglied Peter Pfeilschifter zusätzlich zu seinen Aufgaben die Führung der Geschäftsleitung übernehmen.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Wieso mussten zwei Asylsuchende ihre Lehre in Obwalden abbrechen? Kritik im Kantonsrat
Regional

Wieso mussten zwei Asylsuchende ihre Lehre in Obwalden abbrechen? Kritik im Kantonsrat

Der Fall zweier Asylsuchender, die ihre Lehre im Kanton Obwalden abbrechen müssen, weil ihr Asylgesuch abgelehnt wurde, hat heute Mittwoch im Kantonsrat für Kritik gesorgt. Die Regierung bedauerte die Situation, sieht aber keinen Handlungsspielraum.

Gemeinde Schwyz bleibt im Minus
Regional

Gemeinde Schwyz bleibt im Minus

Obwohl die Rechnung 2018 der Gemeinde Schwyz besser abschliesst als budgetiert, bleibt sie rot. Bei einem Aufwand von 76,9 Millionen Franken resultierte ein Aufwandüberschuss von 2,7 Millionen Franken. Budgetiert war ein doppelt so grosses Defizit.

Streit um überdüngten Baldeggersee: Umweltverbände kritisieren bisherige Massnahmen
Regional

Streit um überdüngten Baldeggersee: Umweltverbände kritisieren bisherige Massnahmen

Umweltverbände haben den Kanton Luzern dazu aufgerufen, mit wirksamen Massnahmen statt mit teurer Symptombekämpfung den Zustand des Baldeggersees zu verbessern. Es brauche eine standortgerechte, umweltschonende Nutztierhaltung.

Kanton Luzern automatisiert das Schatzungswesen - Steuerbehörden schätzen Gebäude nicht mehr vor Ort
Regional

Kanton Luzern automatisiert das Schatzungswesen - Steuerbehörden schätzen Gebäude nicht mehr vor Ort

Die Luzerner Steuerbehörden sollen die Gebäude neu nicht mehr bei einem Augenschein vor Ort schätzen. Künftig stützen sie sich auf den von der Gebäudeversicherung errechneten Gebäudewert ab und leiten den Landwert aus Marktdaten ab.