Albin Brun: "Berge inspirieren mich"


News Redaktion
Schweiz / 19.02.20 11:04

Albin Brun bringt mit diversen Instrumenten Berge zum Klingen. Der Luzerner ist ein Pionier der Neuen Schweizer Volksmusik und spielt seit über 40 Jahren in zahlreichen Formationen.

Albin Brun, Jazz- und Weltmusiker, portraitiert am 28. Januar 2020 in Luzern. Brun gilt in der Schweiz als
Albin Brun, Jazz- und Weltmusiker, portraitiert am 28. Januar 2020 in Luzern. Brun gilt in der Schweiz als "eine Schlüsselfigur der Szene zwischen Jazz und neuer Volksmusik". (KEYSTONE/Christian Beutler) (FOTO: Keystone/CHRISTIAN BEUTLER)

ch-intercultur: Sie leben inmitten der Berge. Besteigen Sie diese auch?

Albin Brun: Sehr gerne sogar. Ich bin am liebsten in abgeschiedenen Gegenden, wo ich die Natur hören kann.

cic: Wann hat Sie das alpine Virus gepackt?

AB: Das hab ich als Kind von meinem Vater eingefangen, der mich in die Berge und auf Skitouren mitnahm. Dieser innige Bezug ist geblieben.

cic: Nehmen Sie Instrumente mit auf Bergtouren?

AB: Nein, die haben keinen Platz in dieser kraftvollen Umgebung. Das Spielen macht dort auch kaum Sinn, weil die Akustik - mit Ausnahme des Echos - ungeeignet ist.

cic: Ihr Spiel mit Saxofon und Schwyzerörgeli klingt aber nach Bergen?

AB: Die Berge inspirieren mich als Luzerner sehr wohl. Von der Musik gepackt wurde ich aber durch die Folk-Bewegung in den 70er-Jahren. Damals spielte ich irische, skandinavische, italienische Volksmusik. Später wandte ich mich als Saxofonist dem Jazz zu. Schliesslich versuchte ich, die Schweizer Volksmusik mit verschiedenen Harmonien und Klangsprachen zu verschmelzen.

cic: Warum?

AB: Wenn man ein Schwyzerörgeli ganz herkömmlich spielt, klingt das oft etwas überraschungsarm. Mich reizt es, diesem wunderbaren Instrument auch andere Klangfarben zu entlocken. Hätte man in meiner Jugend schon Volksmusik studieren können, wäre ich voll dabei gewesen.

cic: In Luzern wird dieser Studiengang seit zehn Jahren angeboten.

AB: Ja, und die Lehrgänge sind verlockend. Wobei dieser Präsentierteller vielleicht auch Nachteile hat. Ich wünschte mir zuweilen etwas mehr Neugier der Studierenden.

cic: Es gibt aber schon Ausnahmen?

AB: Ja, etliche. Etwa Kristina Brunner, die Cello und Schwyzerörgeli spielt und auf beiden Instrumenten herausragend gut ist.

cic: Sie gehört zu den Alpinis, mit denen Sie kürzlich eine CD eingespielt haben. Was hat es mit dieser Formation auf sich?

AB: Es ist das offizielle Volksmusik-Ensemble der Hochschule. Ein Mitspielen ist für alle Studierenden mit Schwerpunkt Volksmusik obligatorisch. Dies hat den Vorteil, dass die Besetzung stets wechselt, der Sound immer wieder aufgefrischt wird. Dieses Experimentieren hört man deutlich, was auch kritische Stimmen wachgerufen hat.

cic: Inwiefern?

AB: Die Musik klinge zu wenig schweizerisch. Das kann schon sein, weil die Alpinis Elemente anderer Folkloren einmischen. Im Studium wird aber auch die urchige Volksmusik unterrichtet. Aber manchen ist die Akademisierung der Volksmusik per se nicht geheuer. Vielleicht aus Angst, dass der Graben zwischen den studierten, technisch versierten Musikanten und den Amateurmusikern immer grösser wird.

cic: Wie kann man diesen Bedenken begegnen?

AB: Indem man die Institution der Stubeten pflegt, wo Amateure und Profis, Junge und Alte miteinander spielen.

cic: Kann man Volksmusik überhaupt studieren?

AB: Die Frage stellt sich auch beim Jazz oder bei der Literatur, und eine gewisse Skepsis ist durchaus angebracht. Handwerklich kann man vieles lernen, den Spirit aber muss man selbst spüren.

cic: Was halten Sie vom Begriff der Neuen Volksmusik?

AB: Ich habe etwas Mühe damit und würde lieber von zeitgenössischer Volksmusik sprechen. Ich verstehe, dass es gewisse Etiketten braucht, um Musik einzuordnen. Aber selber denke ich nicht so in Schubladen.

cic: Dabei sind Sie selbst mit Ihren musikalischen Neuschöpfungen vor 30 Jahren wohl nicht unbeteiligt an dieser Schublade. Heute spielen viele Junge diese Neue Volksmusik. Stört oder freut dich das?

AB: Das freut mich sehr. Falls ich den einen oder die andere inspirieren konnte, einen eigenen Weg zu gehen, ist das wunderschön!

cic: 2001 haben Sie den SAC-Kultupreis erhalten. Wie gross war Ihre Freude?

AB: Sie war gross und ich war erstaunt, dass meine Musik im Umfeld des Alpenclubs auf diese Resonanz stösst. Ich bin selber Mitglied und habe kürzlich errechnet, dass ich schon gegen 400 verschiedene Gipfel bestiegen habe. Der Bezug zu den Bergen ist in meiner Musik vielleicht tatsächlich hörbar.

Interviewer: Frank von Niederhäusern, ch-intercultur

(sda)


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