Beunruhigende Zunahme von "Schüttelbabys" am Zürcher Kinderspital


Roman Spirig
Regional / 20.01.20 18:25

Die Kinderschutzgruppe des Universitätsspitals Zürich hat für das vergangene Jahr eine höhere Zahl von "Schüttelbabys" registriert. Es wurden zehn Verdachtsfälle von Säuglingen mit Schütteltrauma gemeldet, fünf wurden bestätigt. Das sind drei Fälle mehr als 2018.

Beunruhigende Zunahme von Schüttelbabys am Zürcher Kinderspital
Beunruhigende Zunahme von Schüttelbabys am Zürcher Kinderspital

Die Kinderschutzgruppe ist beunruhigt und hofft, dass es sich dabei nur um einen statistischen Ausreisser handelt. Das Schütteln von Kleinkindern verursache bei zwei Dritteln der Kinder bleibende Hirnschäden, schreibt die Kinderschutzgruppe in ihrer Mitteilung vom Montag. Das Schütteln kann - auch wenn es nur ganz kurz ist - sogar zum Tod führen.

In anderen Spitälern in der Schweiz wurde indes kein Anstieg von Säuglingen mit Schütteltraumas festgestellt, respektive die Zahlen bewegen sich im durchschnittlichen Rahmen.

In Bern sind dies null bis zwei Fälle pro Jahr. In den Universitätsspitälern in Genf (HUG) und Lausanne (Chuv) wurden einer bis drei respektive einer bis zwei Säuglinge mit Schütteltrauma gezählt, wie die Spitäler auf Anfrage von Keystone-SDA mitteilten. Auch im Kinderspital Basel ist die Anzahl der Fälle nicht gestiegen.

In Zürich haben auch andere körperliche Misshandlungen im vergangenen Jahr leicht zugenommen. Von 544 gemeldeten Verdachtsfällen wurde bei 387 Fällen eine Misshandlung bestätigt. Bei 128 Kindern blieb der Verdacht bestehen, konnte aber nicht nachgewiesen werden.

In 29 Fällen stellte sich heraus, dass keine Misshandlung vorlag und die Symptome medizinisch erklärbar waren. Im Vorjahr lag die Zahl der gemeldeten Fälle bei 528.

Gestiegen ist die Anzahl der Fälle von misshandelten Kindern auch im Universitätsspital Lausanne. Im Jahr 2019 waren es 600 Fälle gegenüber 423 im 2017 und 501 im Jahr 2018. Entscheidend sei jedoch, zu definieren, ob es wirklich mehr Fälle seien oder ob das Aufdecken solcher Fälle effizienter geworden sei, etwa wegen der besseren Ausbildung von Betreuungspersonen oder Schulpersonal, hiess es seitens des Spitals. Die anderen Spitäler nannten keinen Anstieg der gemeldeten Fälle von misshandelten Kindern.

In Zürich gab es im Gegensatz zum Vorjahr gab 2019 wieder vereinzelte Fälle von Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Dabei machen Eltern, vor allem Mütter, ihre Kinder absichtlich krank, um sie dann pflegen zu können.

(sda)


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