Coronavirus erreicht Europa: Fälle in Frankreich bestätigt


Roman Spirig
International / 24.01.20 23:56

Das aus China stammende neue Coronavirus hat Europa erreicht. In Frankreich wurden drei Fälle der dadurch verursachten Lungenkrankheit bestätigt, wie die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn am Freitagabend mitteilte.

Coronavirus erreicht Europa: Fälle in Frankreich bestätigt (Foto: KEYSTONE / AP / Achmad Ibrahim)
Coronavirus erreicht Europa: Fälle in Frankreich bestätigt (Foto: KEYSTONE / AP / Achmad Ibrahim)

Demnach traten die Erkrankungen in Bordeaux und in Paris auf. Die Regierung werde alles unternehmen, um eine Ausbreitung des Erregers einzudämmen, sagte Buzyn. Zunächst war von zwei Fällen die Rede gewesen. Später ist eine dritte Infektion mit dem aus China stammenden neuen Coronavirus bestätigt worden.

In Bordeaux handle es sich um einen 48-jährigen Mann, der über Wuhan aus China zurückgekehrt sei und nun im Spital behandelt werde, erklärte Buzyn. Er sei seit seiner Ankunft in Frankreich mit rund zehn Personen in Kontakt gewesen. Zu dem Fall in Paris äusserte sich die Ministerin zunächst nicht. Buzyn riet allen Reisenden, die aus China kommen, bei den kleinsten Anzeichen von Atemschwierigkeiten und Fieber sofort zu reagieren.

Bei der dritten Person handele sich um einen nahen Verwandten einer der beiden Personen, bei denen die neue Lungenkrankheit zuvor diagnostiziert worden war, teilte das Gesundheitsministerium am späten Freitagabend mit.

Die ersten Fälle der Erkrankung waren Anfang des Jahres in der chinesischen Millionenstadt Wuhan aufgetreten. In China liegt die Zahl nachgewiesener Infektionen den Behörden zufolge derzeit bei rund 900. Mehr als 25 der Patienten sind gestorben, zumeist ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Nachweise wurden auch aus vielen anderen asiatischen Ländern wie Japan, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan gemeldet.

In den USA waren bis Freitag zwei Fälle bestätigt worden - in Seattle und Chicago. Die USA kündigten an, das Personal ihres Generalkonsulats und deren Familien aus Wuhan abzuziehen. Die Anordnung erfolge wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus, der logistischen Probleme durch das beschränkte Transportwesen und der "überwältigten Krankenhäuser" der Stadt, sagte ein Botschaftssprecher.

Um die Ausbreitung zu bremsen, hat China bereits in 13 Städten der schwer betroffenen Provinz Hubei mit insgesamt mehr als 40 Millionen Einwohnern die Bewegungsfreiheit der Menschen stark eingeschränkt. Nah- und Fernverkehr wurden gestoppt, Ausfallstrassen gesperrt. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden.

Ärzte in Wuhan äusserten den Verdacht, dass sich schon wesentlich mehr Menschen angesteckt haben als offiziell zugegeben. Auch sei weitaus mehr medizinisches Personal betroffen als die derzeit offiziell bekannten 15 Mitarbeiter. "Es lassen sich infizierte Spitalmitarbeiter in fast allen grösseren Kliniken in Wuhan finden", sagte ein Arzt der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post".

Staatsmedien berichteten, in der 11-Millionen-Metropole Wuhan werde ein neues Spital mit 1000 Betten errichtet - in nur sechs Tagen. Die Gebäude werden demnach aus vorproduzierten Bauteilen zusammengesetzt. Das Krankenhaus soll ab dem 3. Februar die ersten Patienten aufnehmen. In Wuhan gibt es besonders viele Infektionen, weil das Virus dort - vermutlich auf einem Markt - von einer Wildtierart auf den Menschen übersprang.

US-Präsident Donald Trump lobte China derweil für seinen Kampf gegen das Coronavirus. "China arbeitet sehr schwer, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern", schrieb Trump am Freitagabend auf Twitter. "Die USA würdigen diese Bemühungen und Transparenz. Es wird alles gut ausgehen. Im Namen des amerikanischen Volkes möchte ich besonders Präsident Xi danken!" Unterdessen meldete das chinesische Staatsfernsehen in der Nacht auf Samstag, dass es in der Provinz Hubei 15 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gegeben haben soll.

(sda)


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