Cristiano Ronaldo besiegt die Schweiz deutlich


Roman Spirig
Sport / 05.06.19 23:00

Cristiano Ronaldo hat den Traum der Schweiz von einem ersten Titel zunichte gemacht. Er schoss im Halbfinal der Nations League beim 3:1-Sieg Portugals in Porto alle drei Tore. Die Entscheidung in einem ausgeglichenen Spiel fiel dabei zwischen der 88. und 90. Minute.

Cristiano Ronaldo besiegt die Schweiz deutlich  (Foto: KEYSTONE / EPA / FERNANDO VELUDO)
Cristiano Ronaldo besiegt die Schweiz deutlich (Foto: KEYSTONE / EPA / FERNANDO VELUDO)

Im Estadio do Dragão wollten die Schweizer das erste Kapitel einer schönen Titelgeschichte schreiben. Sie wollten sich mit einem Sieg gegen den Europameister die Möglichkeit schenken, am Sonntag erstmals auf Stufe der A-Nationalmannschaft nach einem Pokal zu greifen. Es gelang ihnen nicht, weil auf der Gegenseite Cristiano Ronaldo stand. Der dreifache Weltfussballer, der nach seinen drei Toren gegen die Schweiz nun bei schier unfassbaren 88 Länderspieltoren angelangt ist.

Das Ende war für die Schweiz so bitter, weil sie sich anders als noch vor 20 Monaten in Lissabon mit dem Favoriten auf Augenhöhe massen. Diesmal machte nämlich wirklich nur Cristiano Ronaldo den Unterschied. Als es dem ausgeglichenen Spiel entsprechend auf eine Verlängerung hinauszulaufen schien, sicherte der 33-Jährige den Gastgebern in der 88. und 90. Minute mit seinen Toren zwei und drei den 3:1-Sieg. Zunächst war er mit einem Flachschuss nach Vorarbeit von Bernardo Silva erfolgreich, dann mit einem Schlenzer in die weite Ecke aus halblinker Position.

Natürlich hatte Ronaldo auch schon das Tor zur Führung Portugals erzielt. Aus etwas mehr als 20 Metern traf er in der 25. Minute mittels Freistoss – auch weil sich Mitspieler William Carvalho in der Schweizer Mauer im richtigen Moment duckte und somit den Schweizer Torhüter Yann Sommer überraschte. Der Treffer war aus Schweizer Sicht ärgerlich, weil er nicht zum Geschehen der ersten Halbzeit passte, vor allem aber, weil der deutsche Schiedsrichter Felix Brych das Einsteigen von Kevin Mbabu gegen Ronaldo etwas sehr streng als Foul taxierte.

Brych stand auch später nochmals im Fokus – diesmal mit einem guten Entscheid für die Schweiz. Der VAR machte ihn auf ein Foul von Nelson Semedo an Steven Zuber aufmerksam. Mit dem Knie hatte Portugals Verteidiger den Schweizer Flügel leicht touchiert und aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Situation war insofern speziell, als Brych zunächst nicht interveniert und im Gegenzug einen (klaren) Penalty für Portugal gepfiffen hatte. Hätte er nach Konsultation der Videobilder den Schweizern den Penalty nicht zugesprochen, hätten die Portugiesen ihrerseits einen Elfmeter bekommen.

So aber durfte Ricardo Rodriguez zum Penalty-Duell antreten und traf mit etwas Glück zum 1:1. So sehr auf Umwegen die Schweizer zu diesem Ausgleich gekommen waren, so sehr hatten sie sich dieses Comeback verdient. Denn der Rückstand zur Pause war nicht zwingend gewesen. Die Schweizer hatten nämlich von Beginn weg vieles richtig gemacht. Wenn sie frech auftreten würden, wäre ein Sieg möglich, hatte Granit Xhaka am Tag zuvor gesagt. Frech und nicht ängstlich wie damals in Lissabon beim 0:2 im entscheidenden Spiel der WM-Qualifikation wollten die Schweizer sein.

Was sie dann zeigten war nicht gerade frech, aber es war der selbstbewusste Auftritt einer Mannschaft, die weiss, dass sie sich mit den grossen Teams auf Augenhöhe bewegen kann. Das hat die Schweiz seit jenem Oktoberabend 2017 bewiesen beim 1:1 an der WM gegen Brasilien und vor allem beim 5:2 im letzten November in der Nations League gegen Belgien.

Und die Schweizer zeigten dies eben auch und trotz dem finalen Knock-out in Porto. Schon in der Startphase kamen sie durch Xherdan Shaqiri (3./14.) sowie durch Haris Seferovic (18.) zu drei gefährlichen Szenen. Und als sie in Rückstand geraten waren, standen sie dem Ausgleich ein erstes Mal nahe, als Seferovic nach der Vorbereitung durch Shaqiri und Mbabu aus zehn Metern nur die Latte traf.

Shaqiri war im 3-5-2-System die treibende Kraft in der Offensive. Der kleine Basler spielte mit dem grossen Selbstvertrauen des Champions-League-Siegers auf. Er war als hängender Stürmer quasi der sechste Mittelfeldspieler. Tritt Shaqiri auf dieser Position so inspiriert auf wie in Porto, ist er der Spieler, der das Offensivspiel der Schweizer auf ein neues Niveau heben kann. Auffallend waren auch Mbabu auf dem rechten Flügel und Xhaka, der das Spiel rund 20 Meter hinter Shaqiri ordnete.

Diskreter war der Auftritt von Xhakas Nebenleuten Denis Zakaria, dem zu viele Fehler unterliefen, und Remo Freuler, der unauffällig war. Die Dreierabwehr mit Manuel Akanji, Fabian Schär und Rodriguez hielt sich gegen die hochkarätige Offensive des Europameisters 88 Minuten lang bemerkenswert gut. João Felix etwa, der junge Wunderstürmer von Benfica Lissabon, hatte in seinem ersten Länderspiel kaum eine gefährliche Szene. Und vor allem: Yann Sommer musste im ganzen Spiel keine einzige Parade zeigen. Am Ende hatte ihn Ronaldo trotzdem drei Mal bezwungen. Drei Mal war Sommer chancenlos.

(sda)


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