Der Dauer-Zweite auf der Streif Feuz - Die goldene Gams lässt weiter auf sich warten


Roman Spirig
Sport / 25.01.20 18:15

Beat Feuz muss sich auf seinem "Streif-Zug" nach der goldenen Gams weiter gedulden. Der Emmentaler wird in der Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel zum vierten Mal Zweiter.

Der Dauer-Zweite auf der Streif Feuz - Die goldene Gams lässt weiter auf sich warten (Foto: KEYSTONE / AP / Marco Trovati)
Der Dauer-Zweite auf der Streif Feuz - Die goldene Gams lässt weiter auf sich warten (Foto: KEYSTONE / AP / Marco Trovati)

Die goldene Gams, die Trophäe für die Sieger der Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel, ist die Auszeichnung mit dem wohl grössten Prestige im alpinen Weltcup. Auf der Streif, diesem Monster von Eisbahn mit all seinen Tücken und Schwierigkeiten, gewinnen nur die Besten. Und weil Feuz zu den allerbesten Abfahrern gehört, ist seine Zielsetzung seit Jahren die gleiche.

Die Zielsetzung wird auch in einem Jahr die gleiche sein, denn auch diesmal reichte es nicht ganz zum ersten Sieg. Am Samstag war der Österreicher Matthias Mayer 22 Hundertstel schneller als Feuz und sein ebenfalls zweitklassierter Teamkollege Vincent Kriechmayr. Die zeitliche Differenz zum Ersten lag damit im Rahmen der Vorwinter. Zwölf Monate zuvor und in der vorletzten Saison hatte der Rückstand zwei Zehntel betragen, vor vier Jahren 37 Hundertstel. Macht insgesamt nicht einmal eine Sekunde. Oder anders ausgedrückt: In vier Abfahrten auf der Streif um insgesamt 99 Hundertstel schneller, und Feuz wäre vierfacher Hahnenkamm-Sieger.

Der Konjunktiv bringt nichts. Die Realität an diesem Samstag war, dass Feuz den Sieg vergeben hatte, weil "es in einer Passage nicht so funktioniert hat". Besagte Stelle war der Steilhang. Er sei nicht vollends überzeugt gewesen, wie er jenen Abschnitt im obersten Pistenteil bewältigen wollte, erzählte er später. "Der Instinkt machte nicht so mit wie auf dem Rest der Strecke." Er habe sofort gespürt, dass das Tempo danach nicht so war, wie es hätte sein können.

Die Zwischenzeitmessungen bestätigten dies. Nach halber Distanz lag Feuz über sechs Zehntel zurück. Die zweite Hälfte des Pensums mit der Hausberg-Kante und der folgenden Traverse als prägnanteste Stellen meisterte er dafür so gut wie kein anderer.

Ein einziger kleiner Fehler, ein geringes Zögern, eine ganz kurze Phase der Unentschlossenheit - und schon war der Sieg weg. Wieder weg, zum vierten Mal in den letzten fünf Saisons. Zumindest gegen aussen nahm Feuz das neueste Verdikt gelassen zur Kenntnis. "Wem ausser mir sind hier schon vier, ja viereinhalb gute Fahrten geglückt?" Die "halbe gute Fahrt" hatte er vor drei Jahren gezeigt. Es war sogar eine sehr gute halbe Fahrt gewesen damals. Bei der Hausbergkante, rund 20 Sekunden vor dem Ziel, hatte Feuz über sieben Zehntel Vorsprung, stürzte aber mit dem sicher geglaubten Sieg vor Augen in der Traverse und fand sich statt auf dem obersten Stockerl-Platz im Fangnetz wieder.

Spätestens nach jenem Zwischenfall stand die allgemeine Meinung, dass für Feuz ein Fluch über der Streif liege. "Wenn es ein Fluch sein soll, dann ist es ein guter Fluch", sagte der Berner lachend. Carlo Janka, der am Samstag beim Hausberg ein weiteres Mal eine Spitzenklassierung vergab und als Zehnter zweitbester Schweizer war, pflichtete seinem Teamkollegen bei. "So einen Fluch möchte ich auch einmal haben."

Janka stand nach einer Abfahrt auf der Streif bisher einmal auf dem Podium. Vor vier Jahren wurde er Dritter - in jenem Rennen also, in dem Feuz als Zweiter ein erstes Mal am Sieg in Kitzbühel schnupperte. Die Konstanz in seiner stärksten Disziplin war schon damals beachtlich, allerdings nicht zu vergleichen mit seiner aktuellen Regelmässigkeit. In diesem Winter stand Feuz in allen sechs Abfahrten auf dem Podest, je zweimal auf jeder Stufe. In den 23 Weltcup-Abfahrten seit Beginn der vorletzten Saison klassierte er sich 19 Mal unter den ersten drei.

Diese beeindruckenden Zahlen machen Feuz zurecht stolz. Ob er sie für einen Sieg auf der Streif eintauschen würde, hat er nicht verraten.

(sda)


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