Die grosse Fussball-Bilanz: YB, Basel, der Rest - und noch GC


Roman Spirig
Sport / 27.05.19 12:00

Die Dominanz der Young Boys und der Absturz der Grasshoppers haben die Schweizer Fussballmeisterschaft 2018/19 geprägt. Beide Phänomene waren in ihren extremen Ausprägungen nicht zu erwarten.

Die grosse Fussball-Bilanz: YB, Basel, der Rest - und noch GC (Foto: KEYSTONE / PETER SCHNEIDER)
Die grosse Fussball-Bilanz: YB, Basel, der Rest - und noch GC (Foto: KEYSTONE / PETER SCHNEIDER)

Kaum etwas hebt die eklatante Überlegenheit der Young Boys derart stark hervor wie die Siegesserien. Die Rangliste der Mannschaften mit den längsten Serien beeindruckt: 1. YB 9 Siege. 2. YB 8 Siege. 3. YB und nochmals YB je 4 Siege. 5. Basel (viermal), Sion (zweimal) und YB (einmal) je 3 Siege. Von den sieben nicht aufgeführten Mannschaften siegte keine mehr als zweimal nacheinander.

Die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane - der Luzerner überbot in seiner ersten Saison in Bern die Bilanzen seines ebenfalls erfolgreichen Vorgängers Adi Hütter - jagte dem FC Basel verschiedene Rekorde ab. 29 (vorher Basel und YB je 26) ist jetzt die höchste Anzahl an Siegen in einer Saison. Das höchste Total von 86 Punkten (Basel 2016/17) steigerten die Berner auf 91, die höchste Zahl erzielter Tore (Basel 2016/17) von 92 auf 99, die beste Tordifferenz (nochmals Basel 2016/17) von plus 57 auf plus 63.

Ist den Baslern überhaupt noch ein Rekord geblieben? Durchaus. Sie behalten die geringste Anzahl an Niederlagen (zwei aus der Saison 2016/17), die niedrigste Zahl an Gegentoren (31 aus der Saison 2013/14), die längste Siegesserie (13 Siege in der der ersten Super-League-Saison, 2003/04) und den grössten Vorsprung (20 Punkte) auf den Zweiten. Diese 2011/12 aufgestellte Marke müssen sie seit neustem aber mit YB teilen. Die Bestmarke der frühsten Entscheidung (sieben Runden vor Schluss) ist jetzt allerdings bei YB.

Zum vierten Mal in den letzten 16 Saisons ist das Zuschauer-Total über die Marke von zwei Millionen geklettert. Die 2,029 Millionen Zuschauer sind der höchste Wert nach jenem von 2012/13 (2,163 Millionen. Das Total der letzten Saison wurde um gut 16'000 übertroffen.

Die auf den ersten Blick erfreulichen Zahlen sind jedoch das Ergebnis einer zunehmenden Polarisierung. Hier YB und Basel, dort der Rest. 44,3 Prozent sämtlicher Zuschauer besuchten die Spiele im Stade de Suisse und im St.-Jakob-Park. Die Young Boys meldeten einen Zuwachs von 3778 Zuschauern pro Match (17,2 Prozent) und verdrängten mit einem Schnitt von 25'761 den FC Basel (24'259) erstmals von der Spitze.

Ohne die grosszügigen Beiträge von YB und Basel wäre die Zuschauersituation der Liga nicht besonders vorteilhaft. Der FC St. Gallen mit dem dritthöchsten Durchschnitt (12'692, nicht ganz halb so viel wie YB) registrierte einen Zuwachs von 0,6 Prozent, alle übrigen einen Rückgang. Am härtesten traf es die Grasshoppers, deren Schnitt von rund 7000 auf 5639 fiel.

Für die Berner Fans wird auf Dauer wohl das letzte Spiel (4:0 gegen Luzern) in Erinnerung bleiben, als der scheidende Captain Steve von Bergen just zu Beginn der YB-Viertelstunde sein erstes und einziges Tor für die Young Boys erzielte. Beim neutralen Interessierten dagegen dürfte der erste Abstieg der Grasshoppers seit 70 Jahren haften bleiben. Es war kein üblicher Abstieg, sondern ein Absturz, der auf diese Weise nicht vorherzusehen war.

In der von Thorsten Fink, Tomislav Stipic und zuletzt noch Uli Forte trainierten Mannschaft wie auch im Klub selber ging alles drunter und drüber. Es ist nicht gesichert, dass die Trainer alle Namen der 40 eingesetzten Spieler aufzuzählen wüssten. Von der desaströsen Saison der Hoppers könnte man drei von vielen Punkten hervorheben.

Erstens die phasenweise miserablen Leistungen einer inferioren Mannschaft auf dem Platz. Als erstes Team in der Zeit der Super League gewann GC in der Rückrunde kein Spiel. Die Serie der Sieglosigkeit umfasst nach drei Niederlagen vor der Winterpause sogar 21 Partien. Zweitens die Inszenierungen der Chaoten aus dem Umfeld, die den Abbruch zweier Spiele (in Sitten und in Luzern) erzwangen. Und drittens die schiere Realsatire der Verpflichtung des Brasilianers Caiuby, den sie in Augsburg nach verschiedenen Disziplinlosigkeiten ausgemustert hatten. Dieser in der Winterpause in der Verzweiflung getätigte Leihtransfer versinnbildlichte die Planlosigkeit, die sich im Traditionsklub in der vergangenen Saison (und wohl auch zuvor) breitgemacht hatte.

(sda)


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