Frauenstreik in Zeitungen auf einer Skala von "Blick" bis "Zürcher Bote"


Roman Spirig
Schweiz / 14.06.19 11:12

Am Tag des Frauenstreiks zeigt ein Blick in die Schweizer Zeitungen einen höchst unterschiedlichen Umgang mit dem Thema. Dieser lässt sich an einer Skala von "Blick" bis "Der Zürcher Bote" festmachen.

Frauenstreik in Zeitungen auf einer Skala von Blick bis Zürcher Bote (Foto: KEYSTONE /  / )
Frauenstreik in Zeitungen auf einer Skala von Blick bis Zürcher Bote

Der "Blick" zeigt plakativ, was sich ändern muss, damit ein Frauenstreik überflüssig wird. Lila sind die bekannt grossen Buchstaben auf der Front; es folgen zwei weitere Doppelseiten, die sich fast ausschliesslich dem Frauenthema widmen. Und selbst der Auftakt des ansonsten männer-dominierten Sports gehört mit der FCZ-Frau Heliane Canepa für einmal einer Frau.

Dabei lässt der "Blick" auch Frauen prominent zu Wort kommen, die üblicherweise als stille Schafferinnen am unteren Ende der Lohnskala keine Stimme haben: Der grosse Kommentar auf der Rückseite des ersten Bundes kommt von der Verpackerin Helena D.

Eine derartig hohe Präsenz der Frauenanliegen zeigt sich, wenig erstaunlich, nur in der Gewerkschaftszeitung "Work". Die Frontseite in pink und lila feiert geschlechtergerecht mit dem Gendersternchen im Wort "Frauen*streik" die Gründe, warum Frauen am Freitag auf die Strasse gehen sollten - und verspricht gleich auch noch eine 18-seitige Streik-Ausgabe. Das allerdings stimmt nicht ganz. Die Zeitung ist insgesamt 18 Seiten dick, dem Frauenstreik sind 15 Seiten gewidmet.

"Blick", "Work" und auch die Wochenzeitung "WOZ" jedenfalls verhelfen dem Thema des Frauenstreiks zur höchsten Aufmerksamkeit bei den Printmedien vom Freitag - und bilden somit den einen Pol auf der Frauenstreik-Skala. Den entgegengesetzten Pol besetzen "Der Zürcher Bote" und das Massenblatt "20 Minuten".

Die wöchentliche Zeitung der kantonalen Zürcher SVP schafft es, Gleichberechtigung umzudeuten: Männer und in der Schulbildung die Buben bedürften der Gleichberechtigung, so der Tenor in der sogenannten "Wochenzeitung für den Mittelstand". Darüber hinaus sei die Lohnungleichheit als Argument für den Frauenstreik "eigentlich gar keines", weil ein Unterschied bei den Löhnen nicht nachgewiesen werden könne, heisst es im Frontkommentar.

Für diese Sichtweisen machen sich drei Frauen stark, zwei SVP-Kantonsrätinnen und eine SVP-Nationalrätin, letztere unter dem Titel "Gleichstellung wird ad absurdum geführt". Ansonsten bekommen in dem acht-seitigen Blatt nur Männer eine Stimme.

Auch "20 Minuten" verweist den Frauenstreik und dessen Anliegen in eine schattige Nische. Auf der Frontseite kündigt das Blatt zwar ein Pro und Kontra zum Thema an; die Juso-Chefin Tamara Funiciello und die Präsidentin der Jungen SVP des Kantons Zürich, Camille Lothe, kreuzen die Klingen - allerdings erst auf der linksliegenden Seite sechs. Die Zeitung verzichtet zudem darauf, die beiden Frauen und deren Funktionen überhaupt vorzustellen.

Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich die anderen schweizerischen Zeitungen. Mit gewohnt intellektuellem Anspruch und feiner Klinge geht die "Neue Zürcher Zeitung" zu Werke. Die Leserin muss schon sehr genau hinschauen, um zu bemerken, dass die Freitagsausgabe an einem besonderen Tag erscheint. Farblich oder formal herausgehoben wird das Thema Frauenstreik nicht. Eine feine Pointe leistet sich das Blatt, indem es auf der Auftaktseite des Feuilletons "Das heroische Comeback der Machos" verkündet.

Die Tamedia-Zeitungen oder die Blätter der CH-Media-Gruppe geben den Frauen immerhin die wichtigsten Stimmen in ihren Kommentarspalten und kündigen diese prominent auf der Front auch an. Flankiert wird dies von der ein oder anderen Recherche, etwa den Frauen im Journalismus bei Tamedia.

Auf der Frauenstreik-Skala zwischen "Blick" und "Zürcher Bote" auf der unteren Seite rangieren die "Basler Zeitung", der "Walliser Bote", die "Freiburger Nachrichten" oder der Winterthurer "Landbote".

Einen Gag haben sich Zeitungen wie "Der Rheintaler" oder "Der Bote der Urschweiz" einfallen lassen. So heisst am Freitag der Lokalteil der Zeitung für das St. Galler Rheintal "Die Rheintalerin". Und in der Innerschweiz wurde für einen Tag aus dem Boten die "Botin der Urschweiz".

(sda)


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