Gedenken an Völkermord von Srebrenica vor 25 Jahren


News Redaktion
International / 11.07.20 15:18

Bei einer Trauerfeier in der Opfergedenkstätte Potocari haben Bosnien-Herzegowina und politische Vertreter aus aller Welt des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren gedacht.

Eine Frau trauert bei der Opfergedenkstätte in Potocari um Angehörige. (FOTO: KEYSTONE/AP/Kemal Softic)
Eine Frau trauert bei der Opfergedenkstätte in Potocari um Angehörige. (FOTO: KEYSTONE/AP/Kemal Softic)

Hinterbliebene der Opfer, bosnische Spitzenpolitiker und ausländische Diplomaten legten Blumen am Denkmal nieder. Hohe ausländische Staatsgäste konnten wegen der Corona-Pandemie nicht kommen - dafür gab es Video-Botschaften, etwa von UN-Generalsekretär António Guterres, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundespräsident Walter Steinmeier und US-Aussenminister Mike Pompeo.

Bei dem Massaker im ostbosnischen Srebrenica waren vom 11. Juli 1995 an etwa 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Verbänden ermordet worden. Die im Bosnienkrieg (1992-1995) verübte Gräueltat gilt als der erste Völkermord auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Steinmeier sagte in seiner Video-Botschaft: Erinnern an das Leid und den Schmerz ist ein zentraler Baustein für Versöhnung. Die strafrechtliche Aufarbeitung der Geschehnisse sei dafür unumgänglich, zugleich gelte es aber auch, neue Brücken zu bauen, wo alte zerstört wurden.

Die Vorsitzende des Opferverbandes Mütter von Srebenica, Munira Subacic, forderte auf der Gedenkfeier Gesetze in Bosnien, die die Leugnung des Völkermords unter Strafe stellen. Ohne Wahrheit und Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden, sagte sie.

Das Internationale Jugoslawien-Tribunal in Den Haag (ICTY) verurteilte die zwei Hauptdrahtzieher des Massakers, General Mladic sowie den damaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic wegen Völkermords. Die lebenslange Haftstrafe für Karadzic ist rechtskräftig. Auch Mladic wurde in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt und wartet auf das Berufungsurteil voraussichtlich im Herbst.

Auch die Bundesratsmitglieder Simonetta Sommaruga und Ignazio Cassis haben am Gedenktag an die über 8000 Opfer erinnert. Es müsse verhindert werden, dass sich solche Gräuel wiederholten, teilte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Samstag in einer Videobotschaft über Twitter mit.

Es brauche Mut, Ausdauer und Zeit, um das Erbe dieser Gräueltaten aufzuarbeiten. Die Schritte, die zur Versöhnung unternommen wurden, seien lobenswert. Vergangenheitsbewältigung bedeute, sich aufrichtig und gemeinsam darum zu bemühen, Fakten zu ermitteln und zu einem gemeinsamen Verständnis der Ereignisse zu gelangen.

Ignazio Cassis äusserte sich in einem Gastkommentar in der Neuen Zürcher Zeitung. Die kollektive Trauerverarbeitung durch die strafrechtliche Verfolgung der Täter sei von grosser Bedeutung, schrieb er. Mitschuldig habe sich aber auch die internationale Gemeinschaft gemacht, die passiv zugeschaut habe, wie eine vielfältige Gesellschaft in Europa gewaltsam gespalten worden sei. Das Massaker sei deshalb auch ein Mahnmal für die Mitverantwortung der internationalen Gemeinschaft.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Vorarlberger Polizei befreit Säugling aus Auto
International

Vorarlberger Polizei befreit Säugling aus Auto

Ein sechs Monate altes Baby ist am Montag in Bludenz von der Polizei aus einem abgeschlossenen Auto befreit worden. Die Türen des Fahrzeugs waren verriegelt und konnten auch von der 28-jährigen Mutter nicht mehr geöffnet werden.

Stresstest für die Tour de France
Sport

Stresstest für die Tour de France

Wenn morgen Mittwoch das Critérium du Dauphiné losrollt, wird im Radsport der Ernstfall geprobt. Die Spitzenfahrer unterziehen sich auf fünf Bergetappen einem anspruchsvollen Formcheck für die in zweieinhalb Wochen beginnende Frankreich-Rundfahrt.

Fälle von Gehirnentzündungen in diesem Jahr auf Rekordhöhe
Schweiz

Fälle von Gehirnentzündungen in diesem Jahr auf Rekordhöhe

In der Schweiz ist die Zahl der von Zecken verursachten Gehirnentzündungen in diesem Jahr auf Rekordkurs. Bis Ende Juli wurden 332 Fälle der sogenannten Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME) gemeldet, so viele wie noch nie seit dem Jahr 2000.

Verzögerter Stellenabbau im Kanton Zürich befürchtet
Schweiz

Verzögerter Stellenabbau im Kanton Zürich befürchtet

Die Arbeitslosigkeit im Kanton Zürich ist im Juni bei 3,2 Prozent zwar stabil geblieben, liegt aber 1,2 Prozentpunkte höher, als im Vorjahresmonat. Einen weiteren Stellenabbau befürchtet das Amt für Wirtschaft und Arbeit im Herbst.