Guaidó fordert von Schweiz Aktionen gegen illegalen Goldabbau


Roman Spirig
Schweiz / 23.01.20 19:22

Der selbsternannte venezolanische Interimspräsident und Oppositionsführer Juan Guaidó will, dass die Schweiz gegen den illegalen Goldabbau im Amazonasgebiet vorgeht. Er beschuldigte diejenigen, die diese Ressource kaufen, um kriminelle Gruppen zu finanzieren.

Guaidó fordert von Schweiz Aktionen gegen illegalen Goldabbau (Foto: KEYSTONE / AP / Markus Schreiber)
Guaidó fordert von Schweiz Aktionen gegen illegalen Goldabbau (Foto: KEYSTONE / AP / Markus Schreiber)

Bei einem Auftritt am Weltwirtschaftsforum (WEF) am Donnerstag in Davos sagte Guaidó, dass er von der Schweiz erwarte, dass sie sich im Kampf gegen den illegalen Goldabbau im Amazonasgebiet engagiere. Vor allem dessen Finanzierung solle die Eidgenossenschaft unterbinden.

Das Geld, das aus diesen Aktivitäten generiert wird, flösse in die Taschen der venezolanischen Regierung unter Nicolás Maduro sowie der Guerillagruppe "Nationale Befreiungsarmee" (ELN) in Kolumbien. Die Schweiz ist nach wie vor der grösste Goldhandelsmarkt der Welt, und Gold ist ein wichtiger Bestandteil der Exporte des Landes.

Zusätzlich bat der Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, der von mehreren dutzend Ländern als vorläufiges Staatsoberhaupt anerkannt wird, die internationale Gemeinschaft darum, sein Land nicht im Stich zu lassen.

Sein Heimatland müsse man angesichts der "Diktatur" von Präsident Maduro "befreien". "Menschen sind inhaftiert, bloss weil ich hierher gekommen bin", fügte er hinzu. Er kritisierte die Verfolgung von regimekritischen Abgeordneten in Venezuela durch das Regime von Maduro.

Auf seiner Reise durch Europa - vor Davos steuerte er London und Brüssel an, am Samstag wird er bereits in Madrid sein - erinnert ihn nichts daran, dass es ihm trotz Massenprotesten, Solidaritätskonzerten und internationaler Unterstützung noch immer nicht gelungen ist, Maduro aus dem Präsidentenpalast Miraflores zu vertreiben.

Die mächtigen Militärs halten dem Präsidenten weiterhin die Treue, die Massenproteste ebben immer mehr ab, mit Ermittlungen, Anklagen und Festnahmen machen Polizei und Staatsanwaltschaft die Opposition mürbe. Wieder einmal sitzt Maduro den Machtkampf einfach aus - und Guaidó verliert sein Momentum.

Trotz all dieser Rückschläge gab sich der junge Politiker an einer zweiten Davoser Pressekonferenz am Abend vor der versammelten Presse optimistisch, dass es schon bald er sein werde, der im Miraflores-Palast sitze. Allerdings, so musste er zugeben, sehe die Situation in seinem Heimatland für ihn derzeit düster aus. "Wenn Journalisten nur schon meinen Namen erwähnen, dann werden sie entlassen", sagte er. Eine Zeitung, die ihn unterstütze, werde geschlossen.

Trotzdem will der Politiker nun weitere Allianzen schmieden und einen neuen Anlauf wagen. "2019 haben wir Fähigkeiten entwickelt und gelernt. Dieses Jahr muss ein Jahr der Aktionen werden", liess er vor seiner Abreise wissen. "Wir sind entschlossen, Freiheit für unser Land zu erringen. Es wird nicht leicht. Es wird viele Mühen kosten, aber wir werden es schaffen, koste es, was es wolle."

Gefragt, ob er allenfalls mit Maduro sprechen und diskutieren würde, verwies er auf gescheiterte Verhandlungsversuche in der Vergangenheit. "Wir schliessen nie eine Türe für eine mögliche Lösung, aber werden uns auf keinen Fall der Lächerlichkeit preisgeben", sagte Guaidó.

Die politische Krise in Venezuela hatte zu grossen Spannungen zwischen Präsident Maduro und US-Präsident Donald Trump geführt, der Guaidó als Staatsoberhaupt betrachtet.

Die Schweiz ihrerseits erkenne Staaten an, nicht Regierungen. "Herr Guaidó ist der legitime Präsident des venezolanischen Parlaments", sagte Bundesrat Ignazio Cassis am Donnerstagmorgen vor der Presse. "Wir heissen ihn in dieser Rolle willkommen", sagte der Magistrat.

Während Maduro und Guaidó um die Macht ringen, kämpfen viele Venezolaner jeden Tag ums Überleben. Das einst reiche Land mit den grössten Erdölreserven der Welt steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise.

Aus Mangel an Devisen können kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importiert werden. Immer wieder fällt der Strom aus. Seit drei Jahren haben 3,5 Millionen der gut 30 Millionen Venezolaner gemäss Uno das Land bereits verlassen.

Er habe daher das WEF in Davos genutzt, um mit wichtigen Unternehmen über einen Wiederaufbau des Landes zu sprechen, erklärte Guaidó. Dieser soll stattfinden, sobald "die Diktatur von Maduro beendet ist", sagte er.

Getroffen hat er an dem Anlass auch den kolumbianischen Präsidenten Iván Duque oder die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Wann er nach seiner Reise in sein Heimatland zurückkehren wird, sagte er nicht.

(sda)


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