Hählens Warten hat ein Ende


Roman Spirig
Sport / 24.01.20 17:00

Für Joana Hählen fand in der ersten von zwei Abfahrten im bulgarischen Bansko eine Leidensgeschichte doch noch ihr glückliches Ende. Für die Bernerin resultierte mit dem 3. Rang hinter Mikaela Shiffrin und Federica Brignone endlich der erste Weltcup-Podestplatz.

Hählens Warten hat ein Ende (Foto: KEYSTONE / EPA / GEORGI LICOVSKI)
Hählens Warten hat ein Ende (Foto: KEYSTONE / EPA / GEORGI LICOVSKI)

Sechs Jahre und fast zwei Monate sind es her, seit Joana Hählen ihr Debüt im Weltcup gegeben hatte. In der Folge zeigte die aus Lenk im Berner Oberland stammende Fahrerin im Training oftmals starke Leistungen. Diese konnte die Schweizerin in den Rennen jedoch (zu) selten in gute Resultate umsetzen. Und als Hählen ihren ersten Podestplatz vermeintlich auf sicher hatte - im letzten Februar in der Abfahrt von Crans-Montana - wurde ihr dieser nachträglich aberkannt.

Damals herrschte ein in der jüngeren Vergangenheit selten gesehenes Chaos bei der Zeitmessung. Die teilweise per Hand gestoppten Zeiten flossen mit einem fehlerhaft berechneten Korrektur-Faktor ins Klassement ein. Statt Zweite war Hählen letztlich doch nur Vierte - mit zwei Hundertsteln Rückstand auf die drittklassierte Teamkollegin Corinne Suter. Das Warten auf die Podest-Premiere ging weiter.

Vor zwei Wochen in Zauchensee, wo sie im Training ebenfalls überzeugt hatte, war Hählen im Rennen nicht über den 16. Rang hinausgekommen. Auf dem schwierigen und selten befahrenen Hang in Bansko, der für viele Fahrerinnen neu war, überraschte die Berner Oberländerin am Tag ihres 28. Geburtstages mit der Bestzeit im einzigen Training. Knapp 24 Stunden später, bei ihrem 76. Start auf Stufe Weltcup, sollte es für Hählen endlich mit der ersten Top-3-Platzierung klappen. Die vom ehemaligen Frauen-Cheftrainer Hans Flatscher als "wilde Henne" bezeichnete Draufgängerin sah sich für ihre Beharrlichkeit belohnt.

Als Hählen mit der Startnummer 14 ins Ziel kam, leuchtete es auf der Anzeigetafel grün. Um mehr als eine Sekunde hatte die Schweizerin die zuvor führende Französin Romane Miradoli distanziert. Weil aber die Lichtverhältnisse auf dem steilen Hang in der bulgarischen Skistation besser und besser wurden, kam Hählen erneut ins Zittern. Zunächst war mit der Amerikanerin Mikaela Shiffrin (65. Weltcup-Triumph) die Siegerin um 23 Hundertstel schneller, danach auch die Italienerin Federica Brignone um deren fünf.

Später lagen die Italienerinnen Elena Curtoni und Marta Bassino und gar auch die Technik-Spezialistin Petra Vlhova aus der Slowakei bei der letzten Zwischenzeit noch um bis zu vier Zehntel vor Hählen. Diese war aber auf den letzten 17 Fahrsekunden Bestzeit gefahren und konnte ihre Konkurrentinnen noch hinter sich lassen. "Ich wusste, dass ich nicht zu viel Risiko nehmen darf. Gleichzeitig durfte ich aber auch nicht zu rund fahren. Das ist mir recht gut gelungen", freute sich Hählen im SRF-Interview.

Nicht ideal lief es Corinne Suter. Die Schwyzerin, die in Zauchensee die Abfahrt und damit ihr erstes Weltcup-Rennen gewonnen hatte, wurde in Bulgarien mit über zwei Sekunden Rückstand nur 14. Trotz ihrer mit Abstand schlechtesten Klassierung in diesem Winter in einem Speedrennen konnte Suter die Führung in der Disziplinen-Wertung verteidigen. Nach vier von neun Saison-Abfahrten beträgt ihr Vorsprung auf Shiffrin noch 37 Punkte (243:206).

Die weiteren Schweizerinnen bekundeten grosse Mühe mit der technisch schwierigen Strecke in Bansko. Gleich ein Quintett von Swiss-Ski schied aus. So auch die mit der Nummer eins gestartete Engelbergerin Michelle Gisin wie auch Lara Gut-Behrami. Die Tessinerin war bei der letzten Zwischenzeit noch Siebente.

In Bansko findet am Samstag eine weitere Abfahrt (Start 10.15 Uhr) und am Sonntag ein Super-G (9.15 Uhr) statt.

(sda)


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