Kampf im Sunrise-Aktionariat um UPC-Deal spitzt sich weiter zu


Roman Spirig
Wirtschaft / 14.10.19 11:27

Der Kabelnetzkonzern Liberty Global reagiert auf den Widerstand gegen den Verkauf seiner Schweizer Tochter UPC an Sunrise. Er will sich nun mit 500 Millionen Franken am Schweizer Mobilfunkunternehmen beteiligen. Freenet stemmt sich trotzdem weiter gegen den Deal.

Kampf im Sunrise-Aktionariat um UPC-Deal spitzt sich weiter zu (Foto: KEYSTONE / MANUEL LOPEZ)
Kampf im Sunrise-Aktionariat um UPC-Deal spitzt sich weiter zu (Foto: KEYSTONE / MANUEL LOPEZ)

Seit Monaten versuchen Management und Verwaltungsrat von Sunrise ihre eigenen Aktionäre vom Kauf von UPC Schweiz zu überzeugen. Nun erhält Sunrise mit Liberty Global auch von Verkäuferseite her Unterstützung.

Der Konzern mit Sitz in London habe sich bereit erklärt, die Kapitalerhöhung mit einem Betrag von bis zu 500 Millionen Franken zu unterstützen, teilte Liberty Global am Montagmorgen mit. Käme die Kapitalerhöhung zustände, so würde Liberty Global daher etwa 7,8 Prozent an Sunrise besitzen.

In Analystenkreisen wurde die Zusage von Liberty Global zum Teil begrüsst. Es sei bei Firmentransaktionen vom Kaliber von UPC Schweiz üblich, dass sich die Verkäuferin an der Finanzierung beteilige. Weshalb die UPC-Mutter nicht schon von Beginn weg Hand dazu geboten habe, sei unverständlich, meinte ein Analyst.

Ganz anders reagierte der deutsche Sunrise-Ankeraktionär Freenet auf den Vorstoss. Dieser hält rund ein Viertel der Stimmen und will an der ausserordentlichen Generalversammlung auch weiterhin gegen den Kauf von UPC Schweiz durch Sunrise stimmen, wie Freenet-Chef Christoph Vilanek der Nachrichtenagentur AWP sagte.

Denn trotz der angekündigten Beteiligung von Liberty Global an der dafür geplanten Kapitalerhöhung bleibe der Kaufpreis "viel zu hoch". "Die Art der Finanzierung ist und bleibt falsch", so die Worte des Freenet-CEO.

Ausserdem würde der Schritt bedeuten, dass die Bestandsaktionäre ihr Vermögen abgeben und Liberty Global dafür aufgrund des Discounts, der durch die Kapitalerhöhung entstünde, billig einsteigen könnte. Das sei nichts anderes als ein "Schlag in das Gesicht aller bestehenden Aktionäre".

Das Rennen um das Zustandekommen der Kapitalerhöhung und somit auch der UPC-Übernahme bleibt aufgrund der Haltung von Freenet auch kurz vor ausserordentlichen Generalversammlung somit offen. Diese findet am 23. Oktober statt.

Bereits ihre Empfehlungen abgegeben haben derweil die grossen Stimmrechtsberater. So erhielt Sunrise am Wochenende Unterstützung in seinen Bemühungen von Glass Lewis. Zuvor hatten bereits "zRating" und Ethos sich hinter den Deal gestellt.

Im Gegensatz dazu hatte der einflussreiche Berater ISS davon abgeraten, die bis zu 2,8 Milliarden Franken schwere Kapitalspritze anzunehmen. Wie Ankeraktionär Freenet hatte auch ISS den Preis von UPC als zu hoch kritisiert.

Für das Management von Sunrise gilt derweil gemäss Communiqué vom Montag nach wie vor, dass die Aktionäre der Kapitalerhöhung "dringend" zustimmen sollten. Denn ISS seien in der Analyse "grundlegende Fehler" unterlaufen.

Der Wochenendpresse hatte Verwaltungsratspräsident Peter Kurer gar gesagt, dass er im Falle einer Ablehnung eine Destabilisierung des Unternehmens befürchte. Auch hätte ein solcher Schritt für ihn persönlich Konsequenzen: "Ich würde abgewählt", betonte er.

An der Börse notiert die Sunrise-Aktie im Anschluss an die Neuigkeiten nach einem verhaltenen Start inzwischen leicht positiv. Um 11.05 stehen die Papiere 0,6 Prozent höher bei 80,70 Franken. Der Leitindex SMI steht hingegen mit 0,85 Prozent im Minus.

(sda)


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