Kanton Luzern beendet Leistungsauftrag mit SAH im Flüchtlingswesen


News Redaktion
Regional / 30.01.20 15:15

Der Kanton Luzern beendet nach 18 Jahren die Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz, das von ihm bislang Dienstleistungen im Asylwesen übernommen hatte. 22 Mitarbeitende müssen um ihre Stelle bangen.

Die Leiterin Dienststelle Asyl Luzern Silvia Bollinger verkündet das Ende der Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Die Leiterin Dienststelle Asyl Luzern Silvia Bollinger verkündet das Ende der Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Seit 2002 hatte das SAH vom Kanton den Auftrag, für die berufliche Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen zu sorgen. Im Zuge der Integrationsagenda Schweiz (IAS) übernimmt der Sozialdienst der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) ab 2021 die durchgehende Fallführung, wie die Staatskanzlei am Donnerstag mitteilte.

Aufgrund der Anforderungen der IAS müsse die Zusammenarbeit mit dem SAH Zentralschweiz in ihrer jetzigen Form per Ende 2020 beendet werden. Dienstleistungen wie das Jobcoaching, Praxis-Assessment oder die Bewerbungskurse würden auch zukünftig extern eingekauft und deshalb öffentlich ausgeschrieben.

Der bisherige Integrationsprozess im Asyl- und Flüchtlingsbereich sei von wechselnden Zuständigkeiten geprägt gewesen, wird DAF-Leiterin Silvia Bolliger in der Mitteilung zitiert. Gemäss IAS müsse der Prozess aber aus einer Hand sichergestellt werden. Aus diesem Grund sei die Zusammenarbeit mit dem SAH Zentralschweiz in der gewohnten Form nicht mehr möglich, und der Vertrag werde nicht verlängert.

Das SAH spricht in einer Mitteilung von einem folgenschweren Entscheid auch für die 22 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Stelle per Ende 2020 voraussichtlich verlieren. Es kritisiert, dass eine Zusammenarbeit in ähnlicher Weise möglich gewesen wäre, zumal die IAS eine temporäre Delegation der Fallführung explizit vorsehe. Dies zeige auch der Vergleich mit anderen Kantonen.

Das SAH betreue aktuell rund 800 Flüchtlinge, sagte Beat Däppeler, Präsident SAH Zentralschweiz auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Auch wenn man bei den Aufträgen, die der Kanton nun ausschreibe, den Zuschlag erhalte, so könne das SAH damit höchstens vier bis fünf Personen weiterbeschäftigen.

Trotzdem hoffe man auf diese Ausschreibungen, damit das Know-how nicht ganz verloren gehe. Das SAH Zentralschweiz sei dem Arbeitsmarkt sehr nah und verfüge über ein breites Netzwerk zu Wirtschaft und Arbeitgebenden mit einem Pool von rund 500 Firmen. Alleine im vergangenen Jahr hätten 425 Stellen - davon 50 Lehrstellen - an geflüchtete Menschen vermittelt werden können.

Das SAH Zentralschweiz ist mit 110 Mitarbeitern seit 1992 in den Bereichen Arbeit, Bildung und Integration in den Kantonen Luzern, Zug, Ob- und Nidwalden, Schwyz und Uri tätig. Im Auftrag des Kantons Luzern war es zuständig für die Förderung der beruflichen Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen im Alter von 21 bis 46 Jahren.

Die Fachstelle klärte ab, welche Schritte für eine nachhaltige berufliche Integration zielführend sind und leitete erforderliche Massnahmen ein. Die Beratungsdauer umfasste in der Regel zwei Jahre. Ende 2020 läuft der 2017 abgeschlossene Vertrag aus.

2017 hatte der Kanton Luzern das Asyl- und Flüchtlingswesen komplett in die Verwaltung integriert. Zuvor war die Caritas zusammen mit einer Abteilung des Kantons für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene zuständig.

Die Caritas erhielt im gleichen Jahr nach einem Submissionsverfahren den Zuschlag für ein fünfjähriges Integrationsprogramm Schule und Jobtraining. Wegen sinkender Teilnehmerzahlen wird dieses per Juli vorzeitig aufgelöst. Fünf Personen erhalten die Kündigung.

(sda)


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