Luzern: Er plante Sozialarbeiterin zu töten. Bestraft wird er nicht!


Roman Spirig
Regional / 09.05.19 12:11

Ein langjähriger Sozialhilfeempfänger hat die Tötung einer Sozialarbeiterin vorbereitet. Bestraft wird er dafür allerdings nicht, weil er die Handlung in den Augen der Richter aus eigenem Antrieb nicht zu Ende führte.

Luzern: Er plante Sozialarbeiterin zu töten. Bestraft wird er nicht! (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Luzern: Er plante Sozialarbeiterin zu töten. Bestraft wird er nicht! (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Das Luzerner Kriminalgericht sprach den heute 34-jährigen Beschuldigten der strafbaren Vorbereitungshandlung zu vorsätzlicher Tötung schuldig, wie aus dem am Donnerstag publizierten Urteil hervorgeht. Er hatte im Februar 2017 ein Messer ins Sozialamt mitgenommen und sich vorgestellt, die Sozialarbeiterin zu erstechen, um ins Gefängnis zu kommen.

Der Staatsanwalt sah darin einen versuchten Mord oder versuchte vorsätzliche Tötung und wollte den Angeklagten für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis stecken lassen. Dieser hatte vor Gericht erklärt, er sei jahrelang vom Sozialamt schikaniert worden. Zum Tatzeitpunkt habe er eine erneute Einstellung der Sozialhilfe und den Verlust seiner Wohnung befürchtet.

"Ich habe darauf gehofft, dass ich ins Gefängnis komme. Da hätte ich ein Dach über dem Kopf, und das Problem mit dem Sozialamt wäre auch weg gewesen." Daher trug er beim Treffen mit der Sozialarbeiterin ein verbotenes Schmetterlingsmesser auf sich.

Die Gedanken in seinem Kopf seien gekreist, er habe sich auch bildlich vorgestellt, die Frau in den Hals zu stechen. Gleichzeitig aber habe er gewusst, dass das falsch sei, deshalb habe er es auch nicht ausgeführt. Anschliessend ging er zur Polizei und wurde festgenommen.

Sein Anwalt hatte das Vorgehen als Hilfeschrei verteidigt. "Fakt ist, dass der Angeklagte die Tat nicht ausführte", sagte er. Die Unschlüssigkeit seines Mandanten sei Zeichen von Hemmung und Skrupel. Seiner Forderung nach einem Freispruch vom Vorwurf des versuchten Mordes oder der versuchten vorsätzlichen Tötung kamen die Richter nun nach.

Der Staatsanwalt hatte die Schwelle zum Versuch als überschritten taxiert, weil der Beschuldigte mit dem Messer das Büro der Sozialarbeiterin betrat. Zudem habe er im Vorfeld die Tat detailliert geplant und vorbereitet - so recherchierte er vorab etwa nach dem Strafmass für Mord, setzte seinen Computer neu auf und packte Ersatzkleidung für die Zeit im Gefängnis.

Dass er nicht zur Tat schritt, sei der unverhofften Anwesenheit einer Praktikantin am Gespräch zu verdanken, argumentierte der Staatsanwalt. Die Verteidigung relativierte, der Beschuldigte habe deren Teilnahme am Treffen selber zugestimmt. Das Gericht beliess die Vorbereitungshandlung straffrei, weil der Täter diese aus eigenem Antrieb nicht zu Ende geführt habe.

Für das Tragen des Messers verhängten die Richter eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 10 Franken wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Er muss sich an den Verfahrenskosten beteiligen. Das Urteil liegt erst im Dispositiv vor und ist somit noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht ordnete zudem eine stationäre Massnahme an. Der Beschuldigte befindet sich bereits in einer psychiatrischen Klinik, wo er sich laut eigenen Angaben gut aufgehoben fühlt. Laut einem Gutachten leidet er an einer Persönlichkeitsstörung.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Weiterbildungsgelder wurden für Chefärztin-Abschiedsfest in Zuger Klinik verwendet!
Regional

Weiterbildungsgelder wurden für Chefärztin-Abschiedsfest in Zuger Klinik verwendet!

Die Abschiedsveranstaltungen der langjährigen Chefärztin der Psychiatrischen Klinik Zugersee im Jahr 2017 sind mit Geldern bezahlt worden, die für Weiterbildung bestimmt waren. Die Finanzkontrolle der Konkordatskantone Uri, Schwyz und Zug kritisiert die Verwendung von 53'000 Franken.

Vier Tote in Affoltern am Albis: Ehemann löscht Familie aus
Regional

Vier Tote in Affoltern am Albis: Ehemann löscht Familie aus

In Affoltern am Albis sind vier Tote in einer Wohnung gefunden worden. Die Polizei geht davon aus, dass der 53-jährige Ehemann zuerst seine 51-jährige Frau und die Kinder im Alter von 7 und 9 Jahren tötete und danach sich selber umbrachte.

Luthern: 19-jähriger Töfffahrer schwer verletzt nach Sturz in Bach
Regional

Luthern: 19-jähriger Töfffahrer schwer verletzt nach Sturz in Bach

Ein Töfffahrer ist in der Nacht auf Freitag bei einem Unfall in Luthern schwer verletzt worden. Bei der Kollision mit dem Betonsockel einer Brücke wurde die Vordergabel des Töffs abgerissen und der 19-Jährige stürzte mitsamt der Gabel und dem Vorderrad in einen Bach.

Wechsel von Ajax-Verteidiger De Ligt zu Juventus perfekt
Sport

Wechsel von Ajax-Verteidiger De Ligt zu Juventus perfekt

Der Transfer von Matthijs de Ligt vom niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam zu Juventus Turin ist unter Dach und Fach.