Mensch verantwortlich für Verbreitung neuer Viren durch Tiere


News Redaktion
International / 09.04.20 08:12

Pandemien durch krankmachende Viren, die eigentlich von Tieren stammen, können laut einer neuen Studie in Zukunft häufiger auftreten: Verantwortlich dafür ist der Mensch selbst.

Fledermäuse könnten die ursprünglichen Überträger von Covid-19 gewesen sein. An der Pandemie ist dennoch der Mensch schuld - wegen Handel und Verzehr von Wildtieren. (Symbolbild) (FOTO: Keystone/DPA/A3803/_JOCHEN LÜBKE)
Fledermäuse könnten die ursprünglichen Überträger von Covid-19 gewesen sein. An der Pandemie ist dennoch der Mensch schuld - wegen Handel und Verzehr von Wildtieren. (Symbolbild) (FOTO: Keystone/DPA/A3803/_JOCHEN LÜBKE)

Durch die Jagd auf wilde Tiere, den Handel mit ihnen und die zunehmende Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume werden die Tiere zu immer grösserer Nähe zum Menschen gezwungen. Je enger der Kontakt wird, desto grösser wird auch die Gefahr, dass Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen überspringen.

Rund 70 Prozent der menschlichen Krankheitserreger sind zoonotisch, das bedeutet, sie machen wie im Fall des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 an einem Punkt den Sprung - Spillover- vom Tier zum Menschen.

Für ihre am Mittwoch in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B veröffentlichte Studie untersuchten US-Forscher um Christine Johnson von der Veterinärmedizinischen Fakultät der University of California über 140 Viren, von denen bekannt ist, dass sie vom Tier auf den Menschen übertragen wurden.

Ein Abgleich mit der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) ergab, dass domestizierte Tiere, Primaten, Fledermäuse und Ratten die meisten zoonotischen Viren - etwa 75 Prozent - in sich trugen. Er zeigte aber auch, dass die Gefahr einer Übertragung am grössten ist, wenn eine Tierart durch übermässigen Konsum durch den Menschen und Lebensraumverlust bedroht ist.

Wir verändern die Landschaft durch Abholzung, Ackerbau oder Viehzucht sowie durch den Bau oder Ausbau unserer Siedlungen, sagte Johnson der Nachrichtenagentur AFP. Damit nehmen auch Häufigkeit und Intensität des Kontakts zwischen Menschen und Wildtieren zu - und das schafft die perfekten Bedingungen für das Spillover der Viren.

Noch suchen die Wissenschaftler nach den genauen Übertragungswegen des Erregers der Lungenkrankheit Covid-19. Sie vermuten, dass er von Fledermäusen oder Schuppentieren übertragen wurde - beides Delikatessen in China. Dort wurden die ersten Infektionen auf einem Tiermarkt in Wuhan registriert.

Naturschützer haben im Zuge der Pandemie ein weltweites Handelsverbot für Wildtiere gefordert und China hat den Verzehr von Wildtieren verboten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace appellierte am Mittwoch an die EU, zum Schutz der Gesundheit aller und der Artenvielfalt auf ein weltweites Verbot zu drängen.

Nach Angaben des WWF boomt der Wildtierhandel jedoch weiter. Im malaysischen Hafen Port Klang seien laut Behördenangaben sechs Tonnen Schmugglerware aus afrikanischen Schuppentieren beschlagnahmt worden, erklärte die Umweltschutzorganisation am Mittwoch. Sie fürchtet, dass tausende Tiere dafür ihr Leben lassen mussten, da jede getrocknete Schuppe nur wenige Gramm wiegt.

(sda)

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

US-Regierung verbietet Einreisen aus Brasilien wegen Coronavirus
International

US-Regierung verbietet Einreisen aus Brasilien wegen Coronavirus

Angesichts der rasant steigenden Zahl von Coronavirus-Infektionen in Brasilien hat die US-Regierung weitgehende Einreisebeschränkungen für Menschen aus dem südamerikanischen Land erlassen. Dies teilte das Weisse Haus am Sonntag mit.

Doppelmord von Spiez erneut vor Berner Obergericht
Schweiz

Doppelmord von Spiez erneut vor Berner Obergericht

Das bernische Obergericht befasst sich seit Montagmorgen erneut mit dem Doppelmord von 2013 in Spiez BE. Es muss entscheiden, ob einer der beiden Täter verwahrt werden soll oder nicht.

Gastrobetriebe machen nur 40 Prozent des Umsatzes und sehen schwarz
Schweiz

Gastrobetriebe machen nur 40 Prozent des Umsatzes und sehen schwarz

Drei von vier Restaurants in der Schweiz sind wieder offen. Ihre Umsätze nach dem Lockdown sind aber im Keller und liegen durchschnittlich 60 Prozent unter den Vorjahreswerten. Zwei von fünf Betrieben wissen nicht, ob sie im Juni noch offen bleiben können oder wollen.

Pferde büxen mit Kutsche und Kindern an Bord in Weggis LU aus
Regional

Pferde büxen mit Kutsche und Kindern an Bord in Weggis LU aus

Während ein Bauer am Sonntag in Weggis ein Pferdegespann für eine Ausfahrt bereit machte, sind die beiden Pferde mitsamt drei Kindern und einem Hund an Bord ausgebüxt. Bei einem Rotlicht beschädigte die führerlose Kutsche ein Auto mit der Deichsel.