Mindestens 33 Tote durch Taifun in Japan - Viele Überschwemmungen


Roman Spirig
International / 13.10.19 18:48

Einer der heftigsten Taifune seit Jahrzehnten hat in Japan schwere Überschwemmungen ausgelöst und mindestens 33 Menschen in den Tod gerissen. 19 weitere Menschen galten am Sonntag noch als vermisst.

Mindestens 33 Tote durch Taifun in Japan - Viele Überschwemmungen (Foto: KEYSTONE / EPA / JEROME FAVRE)
Mindestens 33 Tote durch Taifun in Japan - Viele Überschwemmungen (Foto: KEYSTONE / EPA / JEROME FAVRE)

Wirbelsturm "Hagibis" zog am Samstag und in der Nacht zum Sonntag mit rekordstarken Regenfällen und Sturmböen über die Hauptstadt Tokio und andere Gebiete des fernöstlichen Inselstaates. Mehr als 170 Bewohner wurden verletzt, wie lokale Medien berichteten.

Der Taifun, der sich am Sonntag im Nordosten über dem Meer zu einer Tiefdruckzone abschwächte, hatte zahlreiche Flüsse über die Ufer treten lassen und ganze Wohngebiete und Strassen überschwemmt. "Ich lebe schon lange hier, aber so etwas habe ich noch nie erlebt", sagte ein 60 Jahre alter Angestellter in Tokio beim Anblick des Tamagawa-Flusses, der über die Ufer trat und Häuser überschwemmte.

Während am Sonntag in der Hauptstadt und deren Umgebung wieder die Sonne schien, setzten die Einsatzkräfte die Bergungsarbeiten fort. Mit Militärhelikoptern und Schlauchbooten rückten die Einsatzkräfte an, um Menschen aus ihren Häusern zu retten.

Dabei kam es zu einem tragischen Unglück, als Rettungskräfte eine 77 Jahre alte Frau in der nordöstlichen Stadt Iwaki in einen Helikopter hieven wollten und sie plötzlich 40 Meter in die Tiefe stürzte. Sie kam dabei ums Leben.

In der Bucht von Tokio sank ein Frachtschiff aus Panama, das dort ankerte, als sich der Taifun näherte. Zwei Menschen an Bord kam ums Leben, sechs Besatzungsmitglieder galten am Sonntag als vermisst.

Auch in anderen Regionen des Landes kam es zu Überschwemmungen, darunter in der mit am schwersten betroffenen Provinz Nagano, wo der Chikuma-Fluss durch die Uferdämme brach und Wohngebiete mit schlammigen Wassermassen überflutete. Teils stand das Wasser mehrere Meter hoch.

Auf Luftaufnahmen des japanischen Fernsehens waren Bewohner zu sehen, die aus ihren überfluteten Fenstern weisse Tücher schwangen, um auf sich aufmerksam zu machen. Mehr als 110'000 Einsatzkräfte aus Polizei, Feuerwehr, Küstenwache und Militär seien an den Rettungseinsätzen beteiligt, sagte Regierungschef Shinzo Abe.

"Ich bitte die Bevölkerung, angesichts von Erdrutschen und angeschwollenen Flüssen wachsam zu bleiben", sagte Abe am Sonntag. Dutzende von Erdrutschen und Schlammlawinen waren in weiten Gebieten Japans abgegangen. 21 Flüsse waren durch die Uferdämme gebrochen.

Nach Angaben des Industrieministeriums waren 166'000 Häuser am Sonntagnachmittag (Ortszeit) zunächst weiter von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch die Wasserversorgung war teils unterbrochen.

In der Tokioter Nachbarprovinz Chiba, wo erst im vergangenen Monat ein Taifun gewütet und massive Stromausfälle verursacht hatte, wurden ein Dutzend Häuser durch einen plötzlichen Tornado zerstört. "Das sieht hier wie nach Abrissarbeiten aus", sagte eine ältere Japanerin.

Der Wirbelsturm "Hagibis" (Philippinisch für "schnell") war am Samstag nahe Tokio auf Land getroffen. Später zog er Richtung Nordosten weiter in jene Region, wo es 2011 zu einer Erdbeben- und Tsunamikatastrophe mit Tausenden Toten gekommen war.

Auch dort kam es durch den Taifun zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Als Folge mussten die Organisatoren der laufenden Rugby-Weltmeisterschaft ein weiteres Spiel absagen. Betroffen war die Begegnung Namibia gegen Kanada, die in Kamaishi stattfinden sollte.

Wegen der Gefahr durch die Niederschläge, die zu den schlimmsten seit rund 60 Jahren zu werden drohten, hatten die Behörden für Tokio und mehrere andere Regionen erstmals die höchste Warnstufe ausgegeben. Mehr als sechs Millionen Bewohner des Landes war geraten worden, sich vor dem Wirbelsturm - der in Japan schlicht Taifun Nummer 19 genannt wird - in Sicherheit zu bringen.

Unterdessen nahm der Tokioter Flughafen Haneda am Sonntag wieder den Betrieb auf. Auch Bahnen und Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Shinkansen fuhren wieder, nachdem die Betreibergesellschaften den Betrieb am Vortag wegen des Taifuns deutlich eingeschränkt hatten.

Die Behörden hatten gewarnt, dass der Taifun Tokio und andere Gebiete im Osten Japans mit den schlimmsten Regenfällen seit jenem verheerenden Wirbelsturm überziehen könnte, der 1958 mehr als 1200 Menschen in der Region das Leben gekostet hatte. Viele Kaufhäuser und Läden in Tokio und Umgebung hatten am Samstag geschlossen. In manchen Geschäften der Hauptstadt waren Regale wie leer gefegt, da sich viele Bewohner vorsichtshalber mit Wasser und Lebensmitteln eindeckten.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Regional

"Schlupfhuus"-Schliessung: 7845 Unterschriften für Nachfolgelösung

Die Notunterkunft für Kinder und Jugendliche in St. Gallen soll aus finanziellen Gründen geschlossen werden. Am Montagnachmittag ist eine Petition für eine "qualitative Nachfolgelösung" für das "Schlupfhuus" mit 7845 Unterschriften der St. Galler Regierung übergeben worden.

Streit zweier Eishockey-Fangruppen eskaliert: Bus stark beschädigt
Schweiz

Streit zweier Eishockey-Fangruppen eskaliert: Bus stark beschädigt

Auf dem Heimweg zweier Eishockey-Fangruppen aus der Westschweiz ist in der Nacht auf Sonntag beim Zusammenstoss auf dem A1-Rastplatz bei Birrhard AG ein Streit eskaliert. Ein Reisecar wurde dabei so stark beschädigt, dass er nicht mehr weiterfahren konnte.

Keine Nachteile wegen Verzichts auf Kampfhundeverbot in Luzern
Regional

Keine Nachteile wegen Verzichts auf Kampfhundeverbot in Luzern

Der Verzicht auf ein Verbot bestimmter Hunderassen hat sich im Kanton Luzern nicht negativ ausgewirkt. Zu diesem Schluss kommt der Regierungsrat.

Einsturz von Hängebrücke in Frankreich - 15-Jährige stirbt
International

Einsturz von Hängebrücke in Frankreich - 15-Jährige stirbt

Eine 15-Jährige ist beim Einsturz einer Strassenbrücke nördlich von Toulouse ums Leben gekommen. Mehrere Menschen wurden verletzt, die Einsatzkräfte suchten am Montagvormittag nach weiteren Opfern.