Spuren in Kaiserstuhl OW deuten auf bäuerlichen Weiler hin


SDA
Regional / 30.01.20 12:27

Archäologen haben bei Grabungen im Rahmen der Bauarbeiten für den Tunnel Kaisterstuhl in Obwalden unter anderem Überreste eines Kalkbrennofens und Hausmauern freigelegt. Die Spuren deuten auf einen bäuerlichen Weiler hin.

Bei Grabungen im Rahmen der Bauarbeiten zum Tunnel Kaiserstuhl in Obwalden kamen Reste eines Kalkbrennofens und Keramikfragmente zum Vorschein, die in das 14. Jahrhundert weisen. (FOTO: ProSpect GmbH)
Bei Grabungen im Rahmen der Bauarbeiten zum Tunnel Kaiserstuhl in Obwalden kamen Reste eines Kalkbrennofens und Keramikfragmente zum Vorschein, die in das 14. Jahrhundert weisen. (FOTO: ProSpect GmbH)

Am Brünig entsteht auf der A8 zwischen Lungern Nord und Giswil Süd der 3,7 Kilometer lange Tunnel Kaiserstuhl. Im Rahmen des Strassenbauprojekts wurden bereits 2016 unterhalb des ehemaligen Hotels Landhaus vor Lungern Sondierungen durchgeführt, wobei die Archäologen auf Reste eines Kalkbrennofens stiessen.

Weil dieser dem Tunnelbau wird weichen müssen, wurde die Struktur ausgegraben und dokumentiert, wie die Kantonale Fachstelle für Denkmalpflege und Archäologie am Donnerstag anlässlich der Präsentation der Grabungsergebnisse mitteilte. Die Ausgrabungen des Ofens, der zur Herstellung des Baustoffes Branntkalk gedient haben dürfte, begann im vergangenen November.

Der Ofen sei vermutlich nach dem letzten Brennvorgang nicht mehr vollständig ausgeräumt worden, da in seinem Inneren noch viel Kalk erhalten war, schreiben die Experten. Holzkohleproben sollen nun eine genauere Datierung der Anlage ermöglichen. Keramikfragmente, die im Erdreich ausserhalb der Ofenwand lagen, dürften aus dem 14. Jahrhundert stammen.

Gleichzeitig mit der Ofenfreilegung kamen bei weiteren Sondierungen leicht oberhalb des Ofens Hinweise auf gemörteltes Mauerwerk zutage. Die Grabungsfläche wurde in der Folge erweitert auf knapp 100 Quadratmeter.

Die Archäologen entdeckten steinerne Fundamente eines Gebäudes von rund zehn Metern Länge und vier Metern Breite, das als Wohnhaus gedient haben dürfte. Auch kamen Handspindel, Keramik- und Glasfragmente, verschiedene Gegenstände aus Eisen und Buntmetall und zahlreiche Tierknochen zum Vorschein. Sie dürften aus dem späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit stammen, also irgendwo im 15. oder 16. Jahrhundert datiert werden.

Die Archäologen nehmen an, dass im näheren Umfeld weitere Werkstätten oder bäuerliche Gebäude gestanden haben. Die Siedlungslage mit Blick über den Sarnersee und das Sarneraatal auf der einen Seite und in unmittelbarer Nachbarschaft des alten Brünigweges erscheine prädestiniert für die Errichtung eines bäuerlichen Weilers, der auch eine Rolle bei der Kontrolle oder Bewirtschaftung des Passweges gespielt habe.

Die Vorbereitungsarbeiten für den Tunnelbau starteten im August 2019. Es ist vorgesehen, den neuen Nationalstrassenabschnitt im Jahre 2029 in Betrieb zu nehmen.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Weko genehmigt Beteiligung an SBB Cargo
Wirtschaft

Weko genehmigt Beteiligung an SBB Cargo

Die beiden Transportunternehmen Planzer und Camion-Transport dürfen sich an der SBB-Tochter SBB Cargo beteiligen. Der Zusammenschluss führe nicht zu einer Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs, kommt die Wettbewerbskommission (Weko) zum Schluss.

Flugzeug von NFL-Team transportiert Atemschutzmasken in die USA
International

Flugzeug von NFL-Team transportiert Atemschutzmasken in die USA

Das Flugzeug der New England Patriots hat angesichts der Coronavirus-Krise mehr als eine Million Atemschutzmasken aus China in die USA geflogen.

Regierung erwartet von VVL konsequente Durchsetzung der Forderungen
Regional

Regierung erwartet von VVL konsequente Durchsetzung der Forderungen

Der Luzerner Verkehrsverbund (VVL) soll seine Forderungen an die Adresse der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) im Zusammenhang mit den zu viel bezogenen Subventionen "konsequent und zeitnah" durchsetzen. Dies fordert die Luzerner Regierung.

Bundesrat will Umsatzeinbussen nicht entschädigen
Schweiz

Bundesrat will Umsatzeinbussen nicht entschädigen

Der Bundesrat erwägt, die Unterstützung für die Wirtschaft auszubauen. Profitieren sollen insbesondere Selbständige, die wegen der Coronavirus-Pandemie ihr Einkommen verloren haben. Nicht rückzahlbare Entschädigungen für Betriebe lehnt er aber ab.