"Sternenberg. Ein Ort und seine Geschichte" - Spannende Dorfchronik


News Redaktion
Schweiz / 20.02.20 11:05

Die Gemeinde Sternenberg im Zürcher Oberland ist 2004 dank Christoph Schaubs gleichnamigem Spielfilm weit herum bekannt geworden. Ein Text- und Fotobuch erzählt nun auch ihre wahre Geschichte und illustriert, wie sie heute lebt.

Dieser Ort in Sternenberg heisst gemäss einer Einwohnerin
Dieser Ort in Sternenberg heisst gemäss einer Einwohnerin "Under em Pfarrer". Das Bild von Tom Kawara findet sich im Buch "Sternenberg. Ein Ort und seine Geschichte". Erschienen ist es 2019 beim Chronos Verlag in Zürich. (FOTO: Keystone/Tom Kawara)

Das Postauto fährt von Bauma die kurvenreiche Strasse hoch, und schon bald ist sie zu sehen, die Kirche von Sternenberg. Dass sie hier der zentralen Haltestelle den Namen gibt, hat sie verdient, markiert sie doch gewissermassen den Beginn der Ortsgeschichte.

Um 1690 nämlich sei die Idee aufgekommen, hier, auf 800 Metern über Meer, die höchstgelegene Kirche im Zürcher Stadtstaat zu bauen, schreibt der Historiker Markus Brühlmeier im Buch Sternenberg. Ein Ort und seine Geschichte. Und zwar deshalb, so Brühlmeier, weil die Bergleute hier oben die entfernte Kirche in Wila schlecht besuchten. Vor allem im Winter sei ihnen der Weg zu beschwerlich gewesen. 1706 wurde die eigene Kirche eingeweiht. Aus dem Weiler Sternenberg entstand die Kirchgemeinde mit ihren vielen weit auseinanderliegenden Einzelhöfen.

Tom Kawara hat Sternenberg für die von der Stiftung pro Sternenberg in Auftrag gegebene Publikation fotografiert. Ein Bild, das die idyllische Seite der Hügellandschaft besonders schön einfängt, ist mit folgender Legende versehen: Under em Pfarrer, lautet Berta Pfäfflis Antwort auf die Frage, wie sie den Ort bezeichnen würde, an dem dieser Birnbaum steht.

Berta Pfäffli wirtete viele Jahre im Gasthaus Sternen. Mit ihr hat die Historikerin Ursula Eichenberger gesprochen und Episoden ihrer Lebensgeschichte zu Papier gebracht. Das Wort gibt sie auch den Künstlerinnen Bignia Wehrli und Mei-Yung Weissenbach, dem Lehrerpaar Peter und Ruth Kaul, dem jungen Überlebensexperten Jules Kägi, dem Förster Urs Furrer, der Bauernfamilie Gfeller, dem Gemeindeschreiber Stefan Woodtli oder Sabine Sieber, der letzten Gemeindepräsidentin, bevor Sternenberg 2015 mit Bauma fusionierte.

So vermittelt das Buch neben der ausführlichen Erzählung der Ortsgeschichte bis zur Fusion ein lebendiges Bild der Bevölkerung, die auch in den Fotografien von Tom Kawara wunderbar eingefangen ist. Einer ist ein Schafhirt, Holzfäller, Totengräber und Barfussgänger übers ganze Jahr. Ihn holt Kawara ganz nah heran und schreibt dazu: Manfred Hirschi: So sehen Hände aus, die pro Jahr 1000 Ster Holz verarbeiten und sich um 400 Schafe kümmern.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur

Markus Brühlmeier, Ursula Eichenberger: Sternenberg. Ein Ort und seine Geschichte. Mit Fotografien von Tom Kawara. Chronos Verlag, Zürich 2019. 48 Franken.

Bis 29. Februar zeigt Tom Kawara in der Buchhandlung Never Stop Reading an der Spiegelgasse 18 / Untere Zäune in Zürich eine Auswahl seiner Sternenberg-Fotografien.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anne Lévy wird neue Direktorin des Bundesamts für Gesundheit
Schweiz

Anne Lévy wird neue Direktorin des Bundesamts für Gesundheit

Anne Lévy übernimmt im Oktober 2020 die Leitung des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Der Bundesrat hat die 48-Jährige am Freitag zur neuen Amtsdirektorin bestimmt. Einen Zusammenhang mit der Coronakrise gibt es nicht.

Re-LIVE: Zuger Kantonales 2019
Schwingen

Re-LIVE: Zuger Kantonales 2019

Das Zuger Kantonale 2019 im Re-LIVE Stream

Otto's siegt vor Luzerner Kantonsgericht gegen Otto
Wirtschaft

Otto's siegt vor Luzerner Kantonsgericht gegen Otto

Das Luzerner Kriminalgericht hat in einem Namensstreit dem Discounter Otto's im zweiten Anlauf Recht gegeben. Demnach darf die deutsche Otto Group in der Schweiz keinen Versandhandel unter dem Namen Otto betreiben.

Schweiz beschert Deutschland einen harten Einstand
Sport

Schweiz beschert Deutschland einen harten Einstand

Vor 112 Jahren schrieb das deutsche Nationalteam das erste Kapitel seiner Fussball-Geschichte. Die Premiere endete für den DFB in einer Enttäuschung: In Basel unterlag Deutschland der Schweiz 3:5.