Störche sorgen für regen Flugbetrieb am Himmel über Zürich


Roman Spirig
Regional / 15.05.19 16:10

Erfolgreiche Wiederansiedlung: 21 freifliegende Storchenpaare haben sich auf dem Zürichberg niedergelassen. Das sind so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Um 1950 brüteten überhaupt keine Störche mehr in der Schweiz.

Störche sorgen für regen Flugbetrieb am Himmel über Zürich (Foto: KEYSTONE / APA/APA / ROBERT JAEGER)
Störche sorgen für regen Flugbetrieb am Himmel über Zürich (Foto: KEYSTONE / APA/APA / ROBERT JAEGER)

Sie kreisen hoch in der Luft über dem Zoo Zürich, peilen ihren Landeplatz an und nähern sich mit abgeknickten Flügeln und angewinkelten Beinen dem Ziel. Bei starkem Wind müssen sie manchmal durchstarten und einen zweiten Landeversuch einleiten. Beladen sind die Störche mit Nistmaterial für Ausbesserungsarbeiten oder mit Futter für die Jungen.

"Wir wollen eine gute Adresse sein für Störche", sagte Zoo-Kurator Robert Zingg am Mittwoch in Zürich. Dazu gehöre auch ein gewisser Service. So bietet der Zoo verschiedene Nestunterlagen an. Doch einige der 21 Paare haben sich eigene Plätze gesucht, wie etwa auf einem Baum auf dem Zoogelände oder in einem privaten Garten in der Nachbarschaft.

Wer die Störche bei ihrem Nestbau unterstützen will, bietet ihnen Äste vom Obstbaumschnitt an. Weil diese krumm und verästelt sind, können die Vögel daraus ein wasserdurchlässiges Nest bauen. Denn wenn die Nestunterlage zu kompakt und dicht ist, kann sich die Nestmulde bei starkem Regen mit Wasser füllen. So ertranken 1962 zwei Jungvögel in ihrem Nest, wie Zingg sagte.

Nach dem Niedergang der Storchenpopulation in der Schweiz schlug ein erstes Wiederansiedlungsprojekt fehl. Doch schliesslich gelang es ab Mitte der 1960er Jahre, die Weissstörche wieder heimisch zu machen. 2018 zählte man 515 Paare mit insgesamt 1096 Jungen.

Die Vögel brauchen heute keine direkte Unterstützung mehr. Für ihr längerfristiges Überleben sind sie aber auf den Erhalt von Feuchtgebieten angewiesen.

Ein 1990 im Zoo Zürich geschlüpftes Weibchen kehrte zwei Jahre später nach Zürich zurück, um zu brüten. Auch in diesem Jahr zieht es mit seinem Partner auf dem Zürichberg Junge gross.

Woher die übrigen Vögel stammen, lässt sich nicht in allen Fällen nachweisen. Denn von den 21 Paaren sind elf Vögel unberingt. Sechs Störche sind aus Deutschland zugeflogen, fünf im Zoo Zürich und drei im Zoo Basel geboren. Die übrigen kommen aus verschiedenen Gemeinden in der Schweiz.

Wenn es möglich ist, werden die Jungstörche vor dem Ausfliegen beringt. Dabei hilft Schutz & Rettung im Rahmen einer Übung mit der langen Drehleiter. Einmal angebracht, verraten die aus der Ferne ablesbaren Ringe die Herkunft der Vögel.

Noch ist nicht klar, wie viele Jungvögel in diesem Jahr auf dem Zürichberg aufwachsen. Die Jungen sind noch klein, und die Nester teils hoch oben und vor Blicken geschützt. Auch das Wetter spielt für den Bruterfolg eine grosse Rolle. So starben 2013 bei kühler und nasser Witterung 25 von 26 Jungvögeln. Im vergangenen Jahr dagegen überlebten 40 von 54.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Merkel begrüsst neuen Anlauf im Streit um Flüchtlinge
International

Merkel begrüsst neuen Anlauf im Streit um Flüchtlinge

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt den Anlauf der künftigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Konstruktionsfehler bei den Dublin-Regeln für Asylverfahren in der EU beheben will.

Ibiza Boaty Dance
Events

Ibiza Boaty Dance

Die 2. "Ibiza Boaty Dance" auf dem Zürichsee wird gestartet. Wie beim ersten Mal erwarten euch viele Überraschungen und Top DJ's.

Beckenbauer nicht mehr vernehmungsfähig
Sport

Beckenbauer nicht mehr vernehmungsfähig

Franz Beckenbauer ist wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr vernehmungsfähig. Die Schweizer Bundesanwaltschaft will gemäss einem Bericht der "NZZ" das langwierige Verfahren einstellen.

Vier Tote in Affoltern am Albis: Ehemann löscht Familie aus
Regional

Vier Tote in Affoltern am Albis: Ehemann löscht Familie aus

In Affoltern am Albis sind vier Tote in einer Wohnung gefunden worden. Die Polizei geht davon aus, dass der 53-jährige Ehemann zuerst seine 51-jährige Frau und die Kinder im Alter von 7 und 9 Jahren tötete und danach sich selber umbrachte.