Tottenham oder Liverpool, Pochettino oder Klopp?


Roman Spirig
Sport / 31.05.19 23:00

Der zweite rein englische Champions-League-Final zwischen Tottenham Hotspur und Liverpool am Samstag im Metropolitano-Stadion in Madrid ist auch das Duell zwischen Mauricio Pochettino und Jürgen Klopp. Für den Sieger ist es die Krönung einer langjährigen Aufbauarbeit.

Tottenham oder Liverpool, Pochettino oder Klopp? (Foto: KEYSTONE / EPA / Juan Carlos Hidalgo)
Tottenham oder Liverpool, Pochettino oder Klopp? (Foto: KEYSTONE / EPA / Juan Carlos Hidalgo)

In Anspielung an José Mourinho hatte sich Jürgen Klopp als "the normal one" vorgestellt, als er im Oktober 2015 seine Aufgabe als Trainer des FC Liverpool antrat. Inzwischen hat der 51-jährige Deutsche den bei Manchester United entlassenen Portugiesen längst überholt. Klopp gilt zusammen mit Pep Guardiola als Stilbildner in der Premier League und einer der besten Trainer der Welt.

Dem FC Liverpool, einer der beliebtesten Marken im Weltfussball, hat Klopp zu neuem Glanz verholfen. Sein von extremem Pressing geprägter Spielstil ist spektakulär und erfolgreich. Um in die Reihen der Klubgrössen Bill Shankly oder Bob Paisley aufzusteigen, fehlt ihm aber noch ein Titel. 2016 verlor Klopp mit den "Reds" den Ligacup- und Europa-League-Final, 2018 den Champions-League-Final. Und in der Premier League hatte Liverpool trotz 97 von 114 möglichen Punkten gegenüber Manchester City das Nachsehen.

In einer ZDF-Dokumentation relativierte der einstige Mainz- und Dortmund-Trainer den fehlenden Pokal: "Ich habe an mich selbst nur den Anspruch, alles zu geben. Das bedeutet aber nicht, dass man auch alles bekommt." Mit dem BVB gewann er 2012 das Double und 2013 noch einmal die Meisterschaft, die letzten drei Endspiele mit den Dortmundern verlor Klopp aber ebenfalls, so auch den Champions-League-Final 2013 gegen Bayern München (1:2).

Gegen Tottenham steigt Klopp erstmals als Favorit in den Final um die wichtigste Klubtrophäe der Welt. Gegenüber dem Vorjahr sind die "Reds" noch breiter besetzt und verfügen mit Alisson nun auch über einen der besten Torhüter der Welt. Der Brasilianer könnte zum entscheidende Puzzleteil werden, nachdem im Vorjahr Loris Karius mit zwei groben Patzern am Ursprung der 1:3-Niederlage gegen Real Madrid gestanden hat.

Alisson hat grossen Anteil am erneuten Finaleinzug. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Napoli parierte der für geschätzte 65 Millionen Pfund verpflichtete Brasilianer in der Schlussphase einen Abschlussversuch von Arkadiusz Milik mirakulös. "Wenn ich gewusst hätte, wie gut er tatsächlich ist, hätte ich auch das Doppelte bezahlt", sagte Klopp. Auch bei der phänomenalen Wende im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona gelangen Alisson mehrere Glanzparaden.

Neben Klopp und Alisson steht in Madrid auch Mohamed Salah im Fokus, der zweite tragische Held des letztjährigen Endspiels. Der Ägypter mit Vergangenheit in Basel war in Kiew nach einem harten Tackling von Sergio Ramos mit einer Schulterverletzung in der ersten Halbzeit unter Tränen ausgeschieden. "Nun fühlt sich alles besser an", sagte Salah, der mit 22 Toren zusammen mit Teamkollege Sadio Mané und Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang erneut Torschützenkönig der Premier League wurde. "Wir haben mehr Erfahrung als das letzte Mal."

Noch erstaunlicher als die Entwicklung Liverpools ist diejenige von Tottenham Hotspur unter Mauricio Pochettino, der einst als Spieler von Marcelo Bielsa entdeckt wurde und mit Argentinien an der WM 2002 teilnahm. Seit der 47-Jährige das Team aus dem Nordosten Londons im Sommer 2014 übernommen hat, ging es für die Spurs aufwärts. Nach Platz 5 in der ersten Saison klassierte sich Tottenham zuletzt vier Mal in Folge in den Top 4 der Liga.

Im Gegensatz zu den anderen Topteams steht Pochettino deutlich weniger Geld zur Verfügung. In den letzten fünf Jahren hat Tottenham netto nur rund ein Sechstel so viel ausgegeben wie Liverpool, in der letzten Saison investierten die Spurs aufgrund des Baus des inzwischen eröffneten Stadions kein Geld in neue Spieler. Im Gegensatz zu anderen Klubs stehen bei Tottenham deutlich mehr englische Akteure in der Verantwortung.

Der Vorstoss in den ersten Champions-League-Final gelang Tottenham in extremis und trotz verletzungsbedingter Absenzen von Harry Kane. Im letzten Gruppenspiel in Barcelona gelang Lucas Moura spät der Ausgleich, im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester City bewahrte der Videoassistent VAR die Spurs in der Nachspielzeit vor dem Ausscheiden. Der Siegtreffer bei der spektakulären Wende im Halbfinal-Rückspiel in Amsterdam durch den dreifachen Torschützen Lucas Moura fiel in der 96. Minute.

(sda)


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