WEF-Organisatoren wollen weniger Trittbrettfahrer dulden


Roman Spirig
Schweiz / 22.01.20 16:56

Während des Weltwirtschaftsforums nisten sich rund um das Davoser Kongresszentrum immer mehr Organisationen ein, die mit dem Anlass nichts zu tun haben. Den Veranstaltern sind solche Trittbrettfahrer ein Dorn im Auge. Sie drohen mit dem Wegzug.

WEF-Organisatoren wollen weniger Trittbrettfahrer dulden (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
WEF-Organisatoren wollen weniger Trittbrettfahrer dulden (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)

WEF-Geschäftsleitungsmitglied Alois Zwinggi fand  im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA deutliche Worte: "Die Situation mit Trittbrettfahrern hat sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert. Das ist ein grosses Problem für uns." Irgendwann werde der Moment kommen, indem diese ungebetenen Gäste das Ökosystem von Davos zum Erliegen brächten. "Dann werden wir vielleicht gezwungen sein, Davos zu verlassen."

Das Problem der zunehmend verstopften Strassen und der teilweise verärgerten Bevölkerung habe nicht hauptsächlich mit dem WEF zu tun, betonen die Organisatoren immer wieder. Die Teilnehmerzahlen am Forum seien in den vergangenen Jahren konstant geblieben, sagte Zwinggi. "Was gewachsen ist, ist das ganze Paralleluniversum um uns herum."


Das WEF-OK appelliert deshalb an seine Partnerorganisationen, die mithelfen sollen, die Situation vor Ort zu verbessern. Laut Zwinggi gibt es aber auch in Davos präsente Organisationen, mit denen das WEF nicht in Kontakt stehe. "Von denen wissen wir teilweise nicht, wer sie sind und was sie bezwecken."

Solche unerwünschten Zaungäste trüben die Zwischenbilanz von Zwinggi, die sonst positiv ausfällt. Mit dem Kongresszentrum und der Eishalle habe man eine ideale Infrastruktur zur Verfügung. Deshalb sei eigentlich klar: "Wir würden den Anlass in Zusammenarbeit mit den Davoser Behörden sehr gerne im aktuellen Rahmen weiterführen."

Kein Problem habe die WEF-Veranstalter mit Protestveranstaltungen wie der Juso-Demo vom Dienstag oder der Winterwanderung von Klimaaktivisten. "Wir sind offen für andere Meinungen", sagte Zwinggi. Es gebe viele Wege, die Probleme dieser Welt anzugehen. Solange sich alles im friedlichen Rahmen bewege, seien solche Anlässe "ein wichtiger Beitrag zur Meinungsbildung in unserem Land und auch global".

Auch die Kritik von einzelnen Hoteliers, die WEF-Veranstalter würden für die kontingentierten rund 3400 Hotelzimmer zu wenig springen lassen, liess Zwinggi an sich abprallen. "Achtzig Prozent der Hotels in Davos arbeiten seit vielen Jahren sehr gut mit uns zusammen", sagte er. Sie sähen den gegenseitigen Nutzen des Anlasses.

Daneben gebe es aber "ein paar Hoteliers, die auf kurze Gewinnmaximierung aus sind". Das WEF könne gut ohne solche Unternehmen leben.

Der Verkehr in Davos während des Forums ist ebenfalls ein Dauerthema. "Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert", sagte Zwinggi. Er habe von Einheimischen gehört, dass die Lage deutlich entspannter sei als während der Spengler-Cup-Woche. Informationen über Unfälle habe er keine.

Auch betreffend Sicherheitskosten verläuft das diesjährige Weltwirtschaftsforum in geordneten Bahnen. "Ich gehe davon aus, dass sich die Sicherheitskosten im Bereich des vergangenen und des vorangegangenen Jahres bewegen werden", sagte Zwinggi.

Das WEF trage einen Viertel der Kosten des Polizeieinsatzes. Insgesamt bewege sich die Wertschöpfung des Anlasses für Davos, den Kanton Graubünden und die Schweiz in der Grössenordnung von 100 Millionen Franken.

Nicht gerade euphorisch äusserte sich Zwinggi zum Auftritt des US-Präsidenten Donald Trump. Vor zwei Jahren habe Trump am WEF dargelegt, wie er Amerika in der Welt sehe. "Dieses Jahr merkt man, dass Wahlkampf ist." Der US-Präsident habe "nur paar wenige Botschaften für die globale Welt" gehabt.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

21-jährige Frau in Biel BE positiv auf Corona getestet und isoliert
Schweiz

21-jährige Frau in Biel BE positiv auf Corona getestet und isoliert

Der Kanton Bern hat seinen ersten positiv getesteten Coronavirus-Fall: es handelt sich um eine 21-jährige Frau aus Biel. Sie wurde ins Spital gebracht und isoliert. Die Frau war vor einer Woche aus Mailand zurückgekehrt.

ESAF-Siegermuni Kolin ist tot. Besitzer Mändel erzählt.
Schwingen

ESAF-Siegermuni Kolin ist tot. Besitzer Mändel erzählt.

Kolin lebt nicht mehr. Sein Züchter musste den 5-jährigen Star des ESAF 2019 zum Metzger bringen. Der berühmteste Stier, den Unterägeri je hatte, war offenbar nicht mehr unter normalen Umständen zu halten. Züchter Mändel Nussbaumer erzählt uns im Podcast, dass ihm Kolin mehr und mehr Angst machte und deshalb gehen musste.

Abgeordnete in Colorado stimmen für Abschaffung der Todesstrafe
International

Abgeordnete in Colorado stimmen für Abschaffung der Todesstrafe

Die Abgeordneten im US-Bundesstaat Colorado haben für die Abschaffung der Todesstrafe gestimmt. Nach einer langen und emotionalen Debatte im Regionalparlament in Denver nahm die Mehrheit der Abgeordneten den Gesetzentwurf am Mittwoch an.

Bencic nach Zweisatzsieg in den Viertelfinals
Sport

Bencic nach Zweisatzsieg in den Viertelfinals

Belinda Bencic steht am WTA-Turnier in Doha in den Viertelfinals. Die 22-Jährige aus Wollerau gewinnt ihren Achtelfinal gegen die für Kasachstan spielende Julia Putinzewa (WTA 32) 6:4, 6:3.