Zehntausende Menschen demonstrieren für russischen Gouverneur


News Redaktion
International / 12.07.20 12:17

Im äussersten Osten Russlands ist es nach der Festnahme des Gouverneurs Sergej Furgal zu grösseren Protesten gekommen. Zehntausende Menschen wandten sich am Wochenende gegen das Vorgehen der Behörden in Moskau.

Fordern die Freilassung ihres des Mords verdächtigten Gouverneurs: Zehntausende demonstrieren in Chaborowsk für Sergej Furgal. (FOTO: KEYSTONE/AP/Igor Volkov)
Fordern die Freilassung ihres des Mords verdächtigten Gouverneurs: Zehntausende demonstrieren in Chaborowsk für Sergej Furgal. (FOTO: KEYSTONE/AP/Igor Volkov)

Sie forderten auch den Rücktritt von Kremlchef Wladimir Putin. Gegen den 50 Jahre alten Gouverneur, der nicht zur Kremlpartei Geeintes Russland gehört, wird wegen des Verdachts der Ermordung von Geschäftsleuten ermittelt.

Demonstrationen gab es am Samstag und Sonntag in mehreren Städten der Region Chabarowsk. Die liegt gut acht Flugstunden von Moskau entfernt. In Russland sind Proteste wegen der Corona-Pandemie derzeit verboten. Berichte von Festnahmen gab es zunächst nicht. Die nicht von den Behörden genehmigten Aktionen blieben allesamt friedlich.

In der Grossstadt Chabarowsk sprachen Beobachter lokalen Medien zufolge von den grössten Demonstrationen seit Jahren. Die Polizei schätzte am Samstag die Zahl der Teilnehmer der Proteste in der Region auf bis zu 12000. In Medienberichten schwankten die Zahlen zwischen 30000 und 65000. Am Sonntag berichtete das Team des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny von 2000 Teilnehmern.

Sie riefen auf Strassen und Plätzen Bringt Furgal zurück, Wir sind Sergej Furgal, Moskau, geh weg und Putin ist ein Dieb. Es seien Unterschriften für die Freilassung des beliebten Gouverneurs gesammelt worden. Demonstranten kritisierten auch die Einflussnahme des Machtapparats in Moskau auf die Region, die nicht weit von China entfernt liegt. Rechnungshofchef Alexej Kudrin schlug der Agentur Interfax zufolge vor, den Regionen mehr Unabhängigkeit zu geben.

Die Sprecherin des Gouverneurs dankte bei Instagram für die Unterstützung. Die Region habe selten solch eine Einmütigkeit erlebt, schrieb Nadeschda Tomtschenko. Sie wandte sich auch direkt an die Demonstranten: Wir sind sicher, dass Sie erhört werden.

Der regierungskritische Politiker Gennadi Gudkow sagte dem Radiosender Echo Moskwy, die Proteste seien eine letzte Warnung an Kremlchef Wladimir Putin. Die Menschen sind wütend, verärgert, verarmt und sehen keine Perspektiven mehr für sich. Ausserdem hätten sie genug von der Willkür der Bürokraten und Sicherheitskräfte. Der Politologe Abbas Galljamow sieht in den Protesten auch eine deutliche Anti-Moskau-Haltung der Menschen in den Regionen Russlands.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Sea-Eye klagt gegen Italien wegen Stopps des Schiffs
International

Sea-Eye klagt gegen Italien wegen Stopps des Schiffs "Alan Kurdi"

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye hat eine Klage gegen Italien wegen der Festsetzung des Schiffes "Alan Kurdi" bei einem Gericht in Sizilien auf den Weg gebracht. Das bestätigte ein Sprecher der Organisation aus Regensburg in Bayern, Gorden Isler, am Mittwoch. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstagausgabe) darüber berichtet.

Medien: Altkönig Juan Carlos hat Spanien heimlich verlassen
International

Medien: Altkönig Juan Carlos hat Spanien heimlich verlassen

Der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte spanische Ex-König Juan Carlos hat sein Land nach Medienberichten schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung heimlich verlassen.

Zwei Kühltransporter waren zu warm
Wirtschaft

Zwei Kühltransporter waren zu warm

Die Kantonspolizei hat in Winterthur am Dienstagmorgen Lastwagen und Kühltransporter kontrolliert. Von den 27 kontrollierten Kühllastwagen und Kühllieferwagen wurden bei zwei die vorgeschriebenen Kühltemperaturen nicht eingehalten.

Schweizer Konsumentenstimmung erholt sich im Juli
Wirtschaft

Schweizer Konsumentenstimmung erholt sich im Juli

Die Stimmung der Schweizer Konsumenten hat sich vom Einbruch im April weitgehend erholt. Die Erwartungen für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung haben sich verbessert. Für den Arbeitsmarkt bleiben sie jedoch sehr negativ.