Zuger Crystal-Meth-Tüftler streitet Vorwürfe weiter ab


Roman Spirig
Regional / 20.01.20 18:46

Der beschuldigte Crystal-Meth-Tüftler bleibt dabei: Sein selbstgebasteltes Chemielabor in seiner Wohnung in Oberägeri war kein Drogenlabor. Zudem betonte er vor dem Zuger Obergericht immer wieder: Er sei bei der Einvernahme unter enormem Druck gestanden, darum entsprächen viele seiner gemachten Aussagen nicht der Wahrheit. Auch seien bei der Übersetzung und der Protokollierung viele Fehler entstanden.

Zuger Crystal-Meth-Tüftler streitet Vorwürfe weiter ab (Foto: KEYSTONE /  / )
Zuger Crystal-Meth-Tüftler streitet Vorwürfe weiter ab

Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung habe er kaum ein Wort Deutsch gesprochen und verstanden, sagte der Beschuldigte, der norwegischer Staatsangehöriger ist. Vor Gericht sprach er Englisch, die Fragen der Richter in Schriftsprache verstand er mehrheitlich.

Der Beschuldigte war nicht nur der Ansicht, seine Aussagen seien nicht richtig protokolliert worden, sie würden auch aus dem Kontext gegriffen und gegen ihn verwendet.

Er betonte immer wieder bereits Bekanntes und holte aus, was die Geduld des Richters zeitweise auf die Probe stellte: "Ausschweifende Selbstdarstellungen gehen im Gerichtssaal nicht. Sie brauchen lediglich meine Fragen zu beantworten."

Der Beschuldigte habe anfänglich der Polizei angeboten, als Lockvogel Dealer ans Messer zu liefern. Als er aber gemerkt habe, dass die Polizei nicht mitspiele, habe er seine Aussagen geändert, sagte der Richter zum Beschuldigten.

Im Zentrum der Berufungsverhandlung stand die qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, was der Beschuldigte vehement abstritt. Der Tüftler wiederholte, dass er anders vorgegangen wäre, wenn er mit dem gebastelten Labor hätte Geld verdienen wollen.

Dass er "eine geringfügige Menge" Methamphetamin herstellte, bestritt er nicht. Er sei aber davon ausgegangen, dass die Herstellung dieser Menge nicht strafbar sei. Er habe sich über die Rechtslage informiert.

"Es war ein Experiment", sagte der heute 43-Jährige. Er habe den Stoff aus wissenschaftlichem Interesse und zum Eigenkonsum produziert. "Es war kein Drogenlabor, es war für mich viel mehr eine Therapie in einer schwierigen Lebenssituation."

Heute wohnt der Beschuldigte mit seiner Ehefrau und dem gemeinsamen Kind in einer Wohnung in Oberägeri, lebt von der Sozialhilfe und absolviert derzeit an der Universität ein Chemie-Studium. Solange das juristische Verfahren laufe, könne er keine bezahlte Arbeit suchen, sagte er.

Die Beziehung zur Mitbeschuldigten, einer 42-jährigen Thailänderin, brach er komplett ab. Sie assistierte ihm damals im selbstgebastelten Labor. "Sie pushte mich in eine Richtung, die mir nicht gut tat", sagte er. Sie sei in der Crystal-Meth-Szene involviert gewesen, habe viele Dealer gekannt. Im Gegensatz zu ihr habe er nie kommerzielle Absichten gehabt, beteuerte er.

Die mutmassliche Gehilfin zeigte sich erneut sehr wortkarg. Sie blieb bei der erstinstanzlichen Aussage, der Beschuldigte habe ihr gesagt, er brauchte das Labor, um an Geld zu kommen und verneinte, ihn zu irgendetwas gedrängt zu haben. Er habe ihr vorgeschlagen, 30 Prozent des Endproduktes zu erhalten.

(sda)


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